Zum ewigen Frieden
Immanuel Kants Schrift Zum ewigen Frieden stammt aus dem Jahre 1795. Sie besteht aus sechs Präliminarien- und drei Definitivartikeln, einem Zusatz und aus dem Anhang. In der 2. Auflage 1796 wird ein zweiter Zusatz eingefügt. Die Kernideen Kants gehen unmittelbar aus den Überschriften hervor:
Die Präliminarartikel:
- Es soll kein Friedensschluß für einen solchen gelten, der mit dem geheimen Vorbehalt des Stoffs zu einem künftigen Kriege gemacht worden.
- Es soll kein für sich bestehender Staat (klein oder groß, das gilt hier gleichviel) von einem anderen Staate durch Erbung, Tausch, Kauf oder Schenkung, erworben werden können. [S. 6/7]
- Stehende Heere (miles perpetuus) sollen mit der Zeit ganz aufhören.
- Es sollen keine Staatsschulden in Beziehung auf äußere Staatshändel gemacht werden. [S. 9/10]
- Kein Staat soll sich in die Verfassung und Regierung eines anderen Staats gewaltthätig einmischen.
- Es soll sich kein Staat im Kriege mit einem anderen solche Feindseligkeiten erlauben, welche das wechselseitige Zutrauen im künftigen Frieden unmöglich machen müssen: als da sind, Anstellung der Meuchelmörder (percussores), Giftmischer (venefici), Brechung der Kapitulation, Anstiftung des Verraths (perduellio) in dem bekriegten Staat etc.
Die Definitivartikel:
- Erster Definitivartikel zum ewigen Frieden: Die bürgerliche Verfassung in jedem Staate soll republikanisch sein.
- Zweiter Definitivartikel zum ewigen Frieden: Das Völkerrecht soll auf einem Föderalismus freier Staaten gegründet sein. Die bürgerliche Verfassung in jedem Staate soll republikanisch sein.
- Dritter Definitivartikel zum ewigen Frieden: "Das Weltbürgerrecht soll auf Bedingungen der allgemeinen Hospitalität eingeschränkt sein."
Kommentar:
Das Philosophenlexikon "Ziegenfuss" (1949) fasst zusammen (S. 639): "Der ewige Friede ist nicht ein utopisches Ideal, sondern die Idee einer moralisch- praktischen Aufgabe für die Politik, die innere und äußere."
Anmerkung
Zum Verständnis des gewählten Titels bzw. zum Auftrag des Werkes an die Menschen hat Kant die Einführung und den letzten Absatz seiner Schrift gewählt,
die allen Interessierten bekannt sein sollten:
1. Zum Titel
"Ob diese satyrische Überschrift auf dem Schild jenes holländischen Gastwirts,
worauf ein Kirchhof gemalt war, die Menschen überhaupt, oder besonders die
Staatsoberhäupter, die des Krieges nie satt werden können, oder wohl gar nur
die Philosophen gelte, die jenen süßen Traum träumen, mag dahin gestellt sein"
2. Zum Auftrag
"Wenn es Pflicht, wenn zugleich gegründete Hoffnung da ist, den Zustand eines
öffentlichen Rechts, obgleich nur in einer ins Unendliche fortschreitende
Annäherung wirlich zu machen, so ist der ewige Friede,...., keine leere Idee,
sondern eine Aufgabe, die nach und nach aufgelöst, ihrem Ziele(...) beständig
näher kommt."
- Zum ewigen Frieden, Reclam ISBN 3150015014
- Der komplette frei verfügbare Text mit Linkhinweisen: www.sgipt.org/politpsy/vorbild/kant_zef.htm
- rosieland.de/Texte/Kant_revisited.htm Kant revisited. "Zum ewigen Frieden" und die neuere Friedensforschung. Von Yvonne Geetz
Der Ursprungsartikel stammt von der deutschsprachigen Wiki pedia (siehe oben: "Original Artikel & Autoren Liste"). Der Text steht unter der GNU Freie Dokumentation Lizenz. |
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