Eine Weltrevolution ist, nach marxistisch-leninistischer Auffassung, diejenige Revolution, die der nationalen Revolution folgt und zum Sozialismus führen soll. Schon Karl Marx war der Meinung, dass der Sozialismus nur unter internationalen Gesichtspunkten verwirklicht werden kann: "Die Emanzipation der Arbeiterklasse (ist) weder eine lokale, noch eine nationale, sondern eine soziale Aufgabe" (Marx, Gründungserklärung der IAA). Marx bekanntestes Werk, das so genannte "Kommunistische Manifest", endet mit den Zeilen: "Proletarier aller Länder vereinigt euch". Lenin übernahm den Gedanken der Weltrevolution und auf seiner Initiative wurde im März 1919 die Dritte, die Kommunistische Internationale (Komintern) gegründet. Ziel war langfristig die Epoche der proletarischen Weltrevolution einzuleiten: "Aus den dargelegten Grundsätzen folgt, daß die gegenseitige Annäherung der Proletarier und werktätigen Massen aller Nationen und Länder zum gemeinsamen revolutionären Kampf für den Sturz der Gutsbesitzer und der Bourgeoisie zum Eckstein der gesamten Politik der Komintern in der nationalen und kolonialen Frage gemacht werden muß." (Lenin, Ursprünglicher Entwurf der Thesen zur nationalen und kolonialen Frage). Der russischen Revolution folgten Erhebungen auf der gesamten Welt, meist jedoch erfolglos. Es folte eine Ernüchterung in der sowjetischen Führung. Nach dem Tod Lenins kam es zum offenen Machtkampf zwischen Stalin und Trotzki. Die Nachfolge sollte den Fortgang der internationalen Politik der Sowjetunion bestimmen. Stalin befürwortete einen eher gemäßigten Kurs und verfolgte das Ziel zunächst nur in Russland den Sozialismus zu verwirklichen ("Sozialismus in einen Land"): "Früher hielt man den Sieg der Revolution in einem Lande für unmöglich, da man annahm, daß zum Siege über die Bourgeoisie eine gemeinsame Aktion der Proletarier aller fortgeschrittenen Länder oder jedenfalls der Mehrzahl dieser Länder erforderlich sei. Jetzt entspricht dieser Standpunkt nicht mehr der Wirklichkeit. Jetzt muß man von der Möglichkeit eines solchen Sieges ausgehen" (Stalin, Über die Grundlagen des Leninismus). Trotzki negierte jede Form vom nationalen Sozialsmus und sprach sich weiterhin für eine radikalisiertere Form der Weltrevolution ("Permanente Revolution") aus, verlor jedoch das Kräftemessen mit Stalin. Im Gegensatz zu Stalin hielt er den Sozialismus im nationalen Rahmen für nicht möglich: "»Glauben Sie etwa«, erwiderten mir in den Jahren 1905 bis 1917 dutzende Male die Stalin, Rykow und alle sonstigen Molotows, »daß Russland für die sozialistische Revolution reif ist?« Darauf habe ich stets geantwortet: nein, das glaube ich nicht. Aber die Weltwirtschaft als Ganzes und vor allem die europäische Wirtschaft ist für die sozialistische Revolution völlig reif." (Trotzki, Die permanente Revolution) Stalin trennte sich nie explizit von der Idee der Weltrevolution, seine Nachfolger verzichteten aber für den Status Quo der UdSSR auf die Weltrevolution und beriefen sich schließlich gänzlich auf den "Sozialismus in einem Land". Kritiker der Weltrevolution warfen dieser Doktrin meist vor, dass sie den Weltfrieden gefährde. Andererseits werden die stalinistische nationale Engstirnigkeit samt seiner Folgen von der trotzkistischen Seite für den Niedergang der Sowjetunion verantwortlich gemacht.
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