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Für Urlaub in Österreich oder Deutschland wiederum sprechen - neben einigen der o.a. Gründe - höhere Qualitätsansprüche, geringe Anpassungsmühe und teilweise der Wunsch nach gesunder Umwelt bzw. Sport. So stieg der Tourismus nach Österreich von 1.2 Mill. 1955 auf 2.2 (1961) und auf 4.4 Mill. 1970. Die Werte Italiens lagen um rund 50 % höher. Der nachher sinkenden Tendenz wurden Kontrollen der Hotelpreise und der Verschmutzung entgegengesetzt, sowie die Kampagne "Hier spricht man deutsch."
Während Begüterte des 19. Jahrhunderts die Bildungsreise bevorzugten und ärmere Bevölkerungsgruppen auch mal eine Pilgerreise nach Rom, bedeutet heutiger Urlaub eher erfüllte Freizeit in der Natur oder unter fremder Kultur. Frühere Klischees wie Chianti, Almmilch und gebräunte Haut gehen dabei zugunsten von Fernreisen zurück - die auch als Statussymbol dienen. Doch Hauptreisemotiv bleibt die "Erholung" (Ausruhen, Abschalten, Faulenzen bzw. leichter Sport) - und bei der jüngeren Generation auch Kontakte und Erlebnisse, während sie früher eher mit den Eltern mitfuhr.
Alternativen zum ortsfesten Urlaub
Es gibt zahlreiche Alternativen zum "üblichen" Urlaub an einem festen, meist vorgewählten Ort. Nach zunehmenden Kosten gereiht, sind die wichtigsten:
Entwicklung der Urlaubsziele in Europa
Entwicklung im "nahen Süden"
Nicht unwesentlich für die Urlaubswahl ist heute die örtliche Infrastruktur, die Freundlichkeit der Bewohner und ihr Zahlenverhältnis zu den Urlaubern. Beispielsweise hatte der kleine Fischerort Marina de Massa 1950 nur 800 Einwohner, versorgte aber 1962 schon 17.000 Urlauber (8.000 Deutsche). Die mediterranen Küsten mit "Sonnengarantie" machten den Fremdenverkehr zu Italiens größtem Wirtschaftszweig, mit Unterstützung von Rundfunk und Illustrierten. Auch in Österreich (insbesondere Kärnten und Tirol) wurde der Tourismus zum größten Devisenbringer - doch verschiebt sich hier das Gewicht auf Qualität und den Wintersport.
Spanien und Griechenland
Mit der Entwicklung besserer Verkehrsrouten wurde Spanien immer beliebter (vor allem mit Costa Blanca, Costa del Sol und den Balearen). Nach Mallorca reisten 1950 ganze 229 Deutsche, was durch die günstigen Pauschalreisen ab 1954 auf über 100fache Zahlen stieg und 1967 auf 267.000 deutsche Urlauber. Die Preise waren erstaunlich - z.B. Überwinterung für Rentner ab 800 DM (was sogar Bruno Kreisky verlockte und zu ständigen Scherzen über den Bundeskanzler führte). Sie machten die wachsenden Hotelgrößen erträglich, ebenso wie der nur 2-stündige Flug - für die meisten Urlauber zur Ostsee dauert die Autofahrt meist länger! 1965 verhalfen 1 Mill. Deutsche Spanien zum 3.Platz hinter Österreich
und Italien, doch setzte es sich um 1975 mit 6 Mill. an die Spitze der deutschen Beliebtheit.
Für Jugoslawien und Griechenland schlug 1961 die Stunde, als die Transitstraße "Autoput" die Reisezeit verkürzte. Anfangs waren fehlende Tankstellen, Mechaniker und Autokarten ein Hindernis, später die politische Entwicklung. Während für Österreicher das nahe Dalmatien zum "Renner" wurde - aber später auch für Deutsche den Reiz des Neuen und von Individualreisen bekam - rückten Hellas und die Türkei im europäischen Durchschnitt weit nach oben.
Andere Länder Europas
Diese Trends gingen und gehen auf Kosten der weltberühmten Schweizer Ferienorte und der französischen Riviera, wo ab 1950 der "Jet-Set" die Rolle von Hochadel und Industriellen übernommen hatte und deshalb kein "Billigtourismus" aufkam. Die nahen Benelux-Länder bekamen den Charakter von Wochenendzielen. Ins herbere Skandinavien zieht es hingegen nur einige Zehntausend, wovon Dänemark aus Sprachgründen 50-70 % ausmacht.
Umgekehrt machen die ausländischen Gäste in Deutschland knapp 15 Prozent des Fremdenverkehrs aus. Von diesen 41.7 Mill. Übernachtungen des Jahres 2003 entfielen 2.5 Mill. oder 6 % auf Reisende der zehn östlichen Beitrittsländer der EU.
Fernreisen
Die Reiseintensität der Westdeutschen stieg von 1954 bis 1970 von
24 auf 42 Prozent. Sie liegt seit 10 Jahren bei fast 80 Prozent, schwankt aber (z.B. 1995 78%, 1996 71%, 1997 74%; 2003 82%). Auslandsreisen waren bis etwa 1975 fast nur der besserverdienenden Hälfte möglich, nahmen aber bis 1997 auf 69% zu.
Davon entfielen 14.0% auf Fernreisen in andere Kontinente; die Zahlen für 2003 und 2004 liegen bei 12% und 20%. Damit ist Deutschland Europas Spitzenreiter vor Frankreich (15%).
Im Trend liegt derzeit Asien (2004 41 Prozent der Deutschen; europaweit 26 %). An zweiter Stelle liegt Nordamerika mit 22 %, gefolgt von Afrika (14 %). Der Mittelmeerraum verliert etwas, traditionelle Urlaubsländer (Österreich, Italien) werden teilweise zu Kurzreisezielen, das Inland zum Tagesausflugsziel.
Interessanterweise ist Fernreisenden die Qualität der Unterbringung fast egal - im Gegensatz zu Urlaubsorten in Europa und besonders im Inland. Viele wählen die Fernreise auf Empfehlungen im Freundeskreis.
Die Reiselust der Deutschen ist nahezu unverändert: 82 Prozent planen, im Urlaub zu verreisen (2003: 83%). Großer Beliebtheit erfreut sich mit 53 Prozent der eigene Wagen als Transportmittel, 32 Prozent der Deutschen werden das Flugzeug nutzen. Die geplante Reisedauer liegt für 49 Prozent der Deutschen bei zwei Wochen, 19 Prozent planen einen dreiwöchigen Urlaub.
Zukunft des Inlandsurlaubs, Inszeniering
Die Zunahme internationaler Reiseerfahrung lässt die Ansprüche an Service
und Infrastruktur wachsen, sowie an Individualität, Wahlfreiheit und
Exklusivität. Trotz Ersatz einfacher Reisemotive durch komplexe Motivbündel bleibt der Bundesbürger preissensibel. Er entscheidet oft erst kurzfristig, fordert aber Sicherheit und Auswahl unter überschaubaren Alternativen. Sie sollen häufig einen emotionalen und realen Zusatznutzen bieten: Hotelbett + Animation + Events + Geselligkeit + Kulturangebot + Status + Gesprächsstoff etc.
Die Urlaubsorte im Inland müssen sich daher vermehrt inszenieren. Vor dem Hintergrund der aktuellen Marktsituation (Sättigung, Globalisierung) und der zu erwartenden Trends sind die Chancen des künftigen Inlands-Tourismus:
Der Tourismus trägt zur Nachhaltigkeit bei, wenn er
Andererseits kann neuer Wettbewerb durch spezialisierte Anbieter beide Grenzen hinausschieben und gleichzeitig die Arbeitslosigkeit mindern. Neue Kommunen werden touristisch - z.B. Masterplan für das Ruhrgebiet, neue Attraktionen, Spezialmuseen im Zeitgeschmack oder Erlebniswelten.
Wahl von Urlaubszeit und Ort
Im Urlaub machen sich im deutschen Sprachraum etwa 80 % der Menschen auf die Reise. Familien legen den Urlaub meist auf die Schulferien, um die Freizeit mit den Kindern zu verbringen. Deshalb ist die Hauptreisezeit auch in der Ferienzeit.
Singles und Paare ohne schulpflichtige Kinder nützen auch die Nebensaison, da die Preise günstiger sind und die Ferienorte ruhiger. Manche Familien machen in ihrem Urlaub auch einen Haustausch mit anderen Familien, um Kosten zu sparen.
In kleinen Pensionen übernachteten 40 Prozent, in Hotels und Gaststätten 29 Prozent, der Rest bei Bekannten oder Verwandten (vor allem über Wochenenden), auf Campingplatz oder Jugendherbergen.
Urlaubsmonate, Dauer und Quartier
Die Sommermonate Juni bis September (Spitze 20.Juli bis 10.August) mussten 1965 noch 82 Prozent der Urlauber wählen, weil die Schul- und Betriebsferien noch starr waren. 1957 verreisten 65 % für höchstens 14 Tage, 1965 blieben schon über 50 % länger als zwei Wochen in den Ferien (incl. der kürzeren Inlandreisen). Heute liegt der Prozentssatz jedoch niedriger. Durchschnittlich machten die Deutschen 1962 19.3 Tage Urlaub im Jahr.
Heute treten zu den zwei erstgenannten Unterkünften noch Ferienwohnungen.
Siehe auch: Übersicht Tourismus, Ferien, Fremdenverkehr, Kulturtourismus, Ökotourismus, Reise, Reisebüro, Tourismus