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Székesfehérvár

Székesfehérvár (dt. Stuhlweißenburg), die Stadt der Könige, ist eine Stadt in Ungarn.

Im Gebiet der Stadt sind schon von der Neolitenzeit (5. Jahrtausend v.Chr.) bis zu der Awarenzeit (9. Jahrhundert n.Chr.) menschliche Spuren aufzufinden: Siedlungen, Gräbenfelder. Auch in den frühen Zeiten zeigt sich, dass die spätere Stadt ein Knotenpunkt wichtiger Handelswege war.

In diesem Gebiet führten die Handelswege durch den Mórer-Graben und das Veszprémer-Tal Richtung Süd-Osten, nach der Balkan-Insel, Richtung Nord-Westen zur Donau-Überfahrtstelle - dem heutigen Budapest - schließlich am Ufer des Balaton nach Italien. Diese natürlichen Wege befestigten sich bis zu den heutigen Tagen. Székesfehérvár ist auch heute der Knotenpunkt von Transdanubien sowohl in dem Eisenbahn- als auch dem Straßenverkehr. Der Vorläufer der heutigen Stadt wurde von den landnehmenden Ungarn gegründet. Nach 972, in der Zeit des Fürsten Géza bauten sie eine winzige Burg aus Stein, innerhalb dieser mit dem Fürstenpalast und der Kirche. Sein Sohn Stephan I (Heiligsprechung 1083) wurde hier 1001 zum ersten König von Ungarn gekrönt. Er erhob die Stadt zum weltlichen Sitz seines Königtums, es entwickelte sich die frühe Stadt mit der riesigen Basilika von König Stephan (1003-1038). Hier wurde die Schatzkammer, das Landesarchiv und die Hoheitszeichen des Landes bewacht. Zweimal im Jahr wurden hier die Landtage abgehalten. Im Mittelalter wurden 43 ungarische Könige in der königlichen Basilika gekrönt, fünfzehn von ihnen sind hier bestattet.

Im 11. Jahrhundert war die Stadt eine wichtige Station der Wallfahrten ins Heilige Land. Im Laufe des Mittelalters entwickelte sich die Stadt immer weiter, auf den sich aus den Sümpfen hervorhebenden Hügeln entstanden die Vorstádte. In denen siedelten sich Mönchsorden, Handwerker und Händler. 1222 war die Stadt Schauplatz eines Ereignisses von besonderer Bedeutung. König Andreas II. erließ die so genannte Goldene Bulle, die erste Verfassung des Landes, welche die Privilegien aller Adeligen und die Pflichten des Königs ihnen gegenüber bestimmt.

Im Frühling 1242 wurde die Stadt durch die dem ganzen Land drohende Invasion der Mongolen getroffen, aber die plötzliche Schneeschmelze schützte die von den Sumpfgeländen umfangenen Stadtmauer vor dem Einbruch, die mongolischen Reiter konnten nicht über die gestiegenen Gewässer hinübersetzten. Die Urkunden aus den 13-15. Jahrhunderten erwähnen eine Reihe von Palastbauten. Das Gesicht der ihre Blütezeit erlebenden mittelalterlichen Stadt wurde von 1490 an in zahlreichen Stichen verewigt.

1526 wurde Ungarn durch die Eroberungsbestrebungen des türkischen Reiches bedroht. Bei der Schlacht bei Mohács fielen 2000 Angehörige des Adels und des Klerus. Auch König Ludwig II. fand auf dem Schlachtfeld den Tod. 1541 wurde Buda von den Türken erobert, 1543 fiel auch Székesfehérvár. Von da an war die Stadt bis 1688 eine türkische Grenzfestung - mit Ausnahme von einem einzigen Jahr, als die Stadt 1601 zurückerobert wurde. Der größte Teil der Stadtbevölkerung flüchtete, viele Gebäude wurden zerstört, das städtische Leben kam weitgehend zum Erliegen. Die türkische Besatzungmacht ließ nur wenige Gebäude errichten.

Ab dem Anfang des 18. Jahrhunderts erlebte die Stadt eine neue Blüte. Zu den örtlichen ungarischen und serbischen Einwohnern kamen deutsche und mährische Siedler. 1703 erhielt die Stadt den Rang einer königlichen Freistadt zurück, sie war aber nicht mehr Hauptstadt des Landes. Die späteren Könige aus der Familie der Habsburger hielten die Landtage im naheliegenden Pressburg ab, wo sie auch gekrönt wurden, während ihr königlicher Sitz in Wien war. Mitte des 18. Jahrhunderts fingen die grossangelegten Bautätigkeiten an: z.B. das Ordenshaus und die Kirche der Franziskaner, die kirchlichen Bauten der Jesuiten. Öffentliche Gebäude, Barockpaläste und Bürgerhäuser wurden errichtet. Der Entwicklung der Stadt ist auf den Bildern aus den Jahren 1720 bis 1870 gut zu verfolgen.

Die überwiegend deutsche Bevölkerung wurde allmählich unter dem Einfluß der Reformbestrebungen Anfang des 19. Jahrhunderts ungarngesinnt. Am 15. März 1848 schlossen sich die Bürgerschaft und die Jugend sofort der Revolution an. Nach dem Niederschlag der Revolution und des darauf folgenden Freiheitskrieges wurde sie im Schatten des mittlerweile riesengroß gewordenen Budapest eine kaum industrialisierte Agrarstadt. Nach dem Friedensvertrag von Trianon erlebte die Stadt eine Periode des Aufschwungs. Während der Kriegsvorbereitung wurden mehrere Großbetriebe gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die agressive Industrialisierung fort. Die 1945 noch 35.000 Einwohner zählende Stadt wuchs bis Ende der 70er Jahre auf 100.000 an. Es entstanden neue Wohnsiedlungen, aber die Innenstadt bewahrte ihren Barockcharakter, und die Gebäude blieben als Kunstdenkmäler erhalten. Im Laufe der archäologischen Forschungen der vergangenen Jahrzehnte wurden die mittelalterlichen Überreste freigelegt, die fortdauernd restauriert und zur Schau gestellt werden.


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