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Sühne ist der Vorgang, durch den der Sünder wieder mit Gott versöhnt wird. Dieses ursprünglich jüdische Konzept wurde zu einer zentralen Lehre in der christlichen Theologie.
Im Hinduismus und anderen vedischen Religionen werden unter Sünde Handlungen verstanden, die Karma verursachen.
Umgangssprachlich wird unter Sünde oft eine als falsch angesehene Handlung verstanden, ohne dass eine theologische Aussage impliziert ist. Oft wird der Begriff heute nahezu umgekehrt zur klassischen Bedeutung für "privat Wünschenswertes, dass gewisse Spielverderber nicht mögen" verwendet.
Etymologie
Das deutsche Wort Sünde hat eine gemeinsame Wurzel mit Worten anderer germanischer Sprachen (Englisch sin, Altenglisch synn, Aldnorwegisch synd).
Es mag ursprünglich auf die indogermanische Wurzel *es- zurückgehen, das Partizip des Verbes sein, soviel wie seinend bedeutend.
Der griechische Ausdruck αμαρτια (hamartia) des Neuen Testaments, der dem hebräischen Wort chat'at entspricht - beides bedeutet Verfehlen des Ziels, konkret und im übertragenen Sinn - wird als Sünde übersetzt.
Jüdische Sichtweise
Im Judentum ist die Übertretung eines Gesetzes Gottes eine Sünde.
Die Gesetze sind dabei die Zehn Gebote, andere Vorschriften im Tanach (Altes Testament) sowie die im Talmud zusammengestellten Auslegungen.
Nach jüdischem Verständnis begeht jeder Mensch im Laufe seines Lebens Sünden.
Gott gleicht dabei die angemessene Strafe durch Gnade aus.
Das allgemeine hebräische Word für Sünde ist aveira. Nach der Auslegung des Tanach werden drei Formen der Sünde unterschieden:
Traditionell war der Tempel der Ort, and dem der jüdische Sünder durch Opfer sühnte. Priester führten die in der Torah festgelegten Rituale (Gesang, Gebet, Gaben, Tieropfer) durch. Der Feiertag Yom Kippur ist ein spezieller Tag, an dem das ganze jüdische Volk zur Vergebung seiner Sünden zusammenkommt.
In den späteren Büchern der Propheten werden leere Rituale abgelehnt, und die Einstellung der Bittsteller in den Vordergrund gerückt. Gebet, aufrichtige Reue und Umkehr (Jonah 3,5-10, Daniel 4,27) sowie das Geben von Almosen sind zentrale Elemente der Sühne.
Allgemeine Betrachtungen
Die generelle christliche Sichtweise der Sünde geht über die alttestamentliche (jüdische) hinaus, und ist in ihren wichtigsten Punkten aus dem Neuen Testament entnommen.
Der Begriff Sünde geht von einer verantwortlichen Beziehung des Menschen zu Gott aus. Sünde ist der Bruch dieser Beziehung. Die vielen einzelnen Sünden (sündhaften Handlungen) werden als Symptome der einen Sünde gesehen, die im Leben ohne Gottesbeziehung besteht. Sünde im christlichen Sinn schließt immer eine Verfehlung gegen Gott ein -- es gibt keine Sünde nur gegen Menschen. Ein Beispiel gibt das Gleichnis vom Verlorenen Sohn (Lk 15,11-32 ), wo der Sohn sich eigentlich nur zwischenmenschlich verfehlt, aber dann zur Erkenntnis kommt: "Vater, ich habe gesündigt, gegen den Himmel und vor dir..." (Lk 15,18)
Im neutestamentlichen Verständnis ist kein Mensch von Natur aus frei von Sünde: "Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns." (1 Joh 1, 8). Sünden haben die Tendenz, weitere Sünden nach sich zu ziehen. Der Mensch hat keine Chance, im Alleingang frei von Sünde zu werden.
Konkrete Sünden, die ihm Neuen Testament erwähnt werden sind: Entweihung des Tempels (Mk 11,15-18), Heuchelei (Mk 23,1-36), Habsucht (Lk 12,15), Gotteslästerung (Mt 12,22-37), Ehebruch (Mt 5,27-32), Prahlerei (Mt 6,1-18). Sündenlisten gibt es in Röm 1,29,30, Eph 5,1-6, 1 Tim 3,1-4.
Paulus schreibt im Römerbrief, dass die Gebote Gottes (das Gesetz) die Sünde und die Sünden erkennbar machen: ohne die Gebote hätten die Menschen keinen Maßstab, um ihre Sünde zu erkennen (Röm 7,7-13). Das wird heute noch z.B. Im Beichtspiegel angewendet, wo man als Vorbereitung auf die Beichte eine Liste der zehn Gebote mit möglichen Verstößen dagegen hat.
Arten der Sünde
Nicht alle Sünden sind gleich: Totschlag und Diebstahl sind sichtbare Handlungen, Neid und Habgier finden in Gedanken statt, sind aber ebenso sündhaft. Unterlassungssünden (Jak 4,17) sind ebenfalls nicht offensichtlich, aber doch Sünden. Sünden, die jemand mit großer Erkenntnis verübt, wiegen schwerer als Sünden, die jemand mit wenig Erkenntnis verübt (Lk 12,47-48)
Die Römisch-Katholische Kirche unterscheidet zwischen:
Westliche Kirchen
Westliche Kirchen (Römisch-katholische Kirche, Protestantische Kirchen) sehen dagegen eher den rechtlichen Aspekt, der dann auch bei der Erlösung eine Rolle spielt.
Die Römisch-katholische Kirche versteht unter Sünde nur die Handlung selbst, während der Protestantismus die menschliche Natur selbst als sündhaft bezeichnet.
Römisch-katholische Kirche
Die römisch-katholische Kirche hat eine juristisch ausgearbeitete Lehre bezüglich Sünde (siehe Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel Sünde, Absatz 1846-1876 und Abschnitt Die zehn Gebote, Absatz 2052-2557) und Vergebung (Artikel Das Sakrament der Buße und der Versöhnung, Absatz 1420-1498).
Dazu gehören unter anderem die Unterscheidung von Todsünde und lässlicher Sünde;
erstere bedingen die ewige Verdammung in der Hölle, letztere führen zur zeitlich begrenzten Strafe im Fegefeuer.
Daneben gibt es den Ablass zum Erlass von Sündenstrafen.
Nach römisch-katholische Lehre hat die Erbsünde zwar die ursprüngliche Perfektion des Menschen angeschlagen, aber nicht vollständig ausgelöscht. Daher ist der gefallene Mensch von sich aus bestrebt, Gottes Vergebung und Erlösung zu suchen. Einige protestantischen Kirchen (Methodistische Kirche) teilen diese Sichtweise, die in der protestantischen Theologie als Arminianismus bekannt ist.
Protestantische Kirchen
Die Auswirkung der Erbsünde wird in vielen Zweigen der protestantischen Kirchen gänzlich anders als in der römisch-katholischen Kirche gesehen.
Die prägnanteste Formulierung dieser Sichtweise wird im Calvinismus gegeben, findet sich aber auch in anderen Richtungen wie etwa den lutherischen Kirchen.
Danach ist der Mensch durch die Erbsünde in einen Zustand Totale Verderbtheit gelangt, der alleine durch Gottes Initiative und Gnade (sola gratia) durchbrochen und durch den dann geschenkten Glauben (sola fide) aufrechterhalten werden kann.
Sühne im Christentum
Ursprung der Sühne
Die Sünde wird durch die Sühne aufgehoben;
nach christlicher Lehre geschah diese Erlösung durch die Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi.
Die genaue Bedeutung und Interpretation dieses im Christentum so zentralen Gegebenheit wurde historisch unterschiedlich bewertet.
Neutestamentlich beginnt die christliche Theologie in der Regel mit der Ähnlichkeit zum alttestamentlichen jüdischen Tieropfer (Sühneopfer), welches die Sünden abträgt.
Die Fragen zur Bedeutung des Todes und den Grund des Sterben-müssens sind im Laufe der Geschichte folgendermaßen beantwortet worden:
Wesentlich ist die Anerkennung, dass Jesus Christus als Heiland (oder Retter) die Sünde(n) vergibt.
Voraussetzung dafür sind nach orthodoxem und römisch-katholischem Verständnis die durch Taufe besiegelte Mitgliedschaft in der Kirche. Nach evangelischem Verständnis ist es die Bekehrung, mit der Taufe zur Vergebung der Sünden und der Mitgliedschaft in der Kirche als öffentliche Zeichen.
Dem Christen werden dann die Sünden durch Bekennen (Beichte) und Buße vergeben. So weit sind sich alle Konfessionen einig, bei den Einzelheiten gibt es jedoch Unterschiede:
Befreiung von der Sünde
Die Frage, wer in den Genuss der Befreiung von der Sünde kommt, und wie dies geschieht, wird innerhalb christlicher Kirchen unterschiedlich gesehen.
Neben der offensichtlichen Tatsache, dass jede Kirche ihre Methode für richtig hält, lassen sich einige Gemeinsamkeiten feststellen.
Siehe auch: Ablass, Beichte, Buße (Christentum)
Erbsünde
Das christliche Konzept der Erbsünde beschreibt einen von Geburt an bestehenden Zustand der Sünde oder der Neigung zur Sünde, der unabhängig von Handlungen des Individuums ist.
Islamische Sichtweise
Im Islam ist der Mensch ständig der Versuchung ausgesetzt, Sünden zu begehen.
Diese bestehen darin, Allahs Willen oder seine Schöpfung zu verletzen.Siehe auch
Erlösung, Katechismus, Sündenfall, Gott, Religion
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