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Reichsburg Kyffhausen

Die Ruine der Reichsburg Kyffhausen liegt einem 800 m langen östlichen Ausläufer des Kyffhäusergebirges auf 457 m ü. NN südlich von Tilleda, rund 200 m hoch über der Goldenen Aue. Bei den Kyffhäuserburgen handelt es sich um drei, durch Abschnittsgräben voneinander getrennte mittelalterliche Befestigungen, die zusammen mit einer Länge von über 600 m bei ca. 60 m Breite eine der größten Burganlagen in Deutschland bilden.

Inhalt
1 Die archäologischen Ausgrabungen 1934-38
2 Die Geschichte der Burgen
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Die archäologischen Ausgrabungen 1934-38

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Wesentliche Erkenntnisse über die Entwicklung der Burgen verdanken wir den archäologischen Ausgrabungen in der Unter- (1934-36) und in der Oberburg (1937-38), die unter der Leitung von Prof. Dr. Gotthard Neumann und seiner Assistenten vom Germanischen Museum der Universität Jena durchgeführt wurden. Sie wurden notwendig, nachdem 1934 der Deutsche Reichskriegerbund (Kyffhäuserbund) als Besitzer des Geländes begonnen hatte, die durch den 1890-98 in der Mittelburg erfolgten Bau des Kyffhäuserdenkmals unbeschädigt gebliebenen Teile der mittelalterlichen Reichsburg Kyffhausen freizulegen und zu konservieren, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Freilegungsarbeiten erfolgten unter Einsatz des Reichsarbeitsdienstes und zahlreicher freiwilliger Helfer und wurden unter großen Zeitdruck ausgeführt. Abstriche bei der wissenschaftlichen Qualität der Ausgrabungen waren daher unvermeidlich. Im Verlaufe der Grabungen kam es mit Vertretern des Reichskriegerbundes zu erheblichen Differenzen bei der Interpretation der entdeckten vorgeschichtlichen Befestigungs- und Siedlungsreste. Außerdem versuchten Heinrich Himmler und die 1935 von diesem gegründete "Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe e. V" zunehmend, Einfluss auf die Untersuchungen zu nehmen. Während die ur- und frühgeschichtlichen Funde und Befunde 1940 durch die Ausgräber ausführlich vorgelegt wurden, stehen die archäologische Aufarbeitung der mittelalterlichen Baugeschichte und die Vorlage der zahlreichen und zum Teil herausragenden mittelalterlichen Funde bis heute noch aus.

Die Geschichte der Burgen

Die Besiedlung des Burgberges setzte nach Ausweis der Funde möglicherweise bereits im Neolithikum ein, doch könnten die Steingeräte auch erst in mittelalterlicher Zeit als Abwehrmittel gegen Blitzschlag hierher verbracht worden sein. Keramik- und Metallfunde der Bronzezeit stammen vermutlich aus zerstörten Grabhügeln auf dem weithin sichtbaren Bergsporn. In mehreren Ausgrabungsschnitten in der Oberburg wurden die Reste einer Befestigung aus der älteren Eisenzeit (Hallstatt D-Latène A (B)/"Thüringische Kultur" des 6./5. Jahrhunderts v. Chr.) angetroffen. Die besiedelte Fläche war wesentlich größer als im Mittelalter. Aus der bis zu einem halben Meter starken Kulturschicht mit zahlreichen Keramikfunden stammt auch der Fund einer Lage verbrannten Getreides, der zumeist als Überrest kultischer Handlungen gedeutet wurde, was jedoch nicht eindeutig gesichert werden kann.

Der Bauablauf im Mittelalter kann in drei Phasen unterteilt werden. Zum Jahr 1118 wird in den schriftlichen Quellen bereits von einer Zerstörung des castrum etiam Cuphese durch den sächsischen Herzog Lothar von Supplinburg berichtet. Die Errichtung einer Burg dürfte damit bereits im 11. Jahrhundert wohl in der Regierungszeit des deutschen Königs Heinrich IV, im Bereich der Oberburg nach Ausweis der Funde eventuell sogar bereits im späten 10. Jahrhundert, erfolgt sein. Sie diente dem Schutz des Reichsgutes im Harzvorland und stand im Zusammenhang mit der nur 2 km entfernt gelegenen Pfalz Tilleda.

Nach der Zerstörung 1118 erfolgte ein rascher und umfangreicher Wiederaufbau wohl schon in der Regierungszeit König Lothars von Supplinburg, der unter Friedrich I. Barbarossa abgeschlossen wurde. Ob Barbarossa trotz Aufenthalten in der Pfalz Tilleda wie 1174 auch auf der Reichsburg Kyffhausen weilte, kann nur vermutet werden. Im 12. und 13. Jahrhundert erlebten die drei unmittelbar aufeinanderfolgenden Burgen den Höhepunkt ihrer Bedeutung. Dieser dokumentiert sich in erster Linie in den zahlreichen und qualitätvollen Metallfunden aus der Oberburg, der offenbar die Funktion einer Kernburg zukam. Allerdings sind für diese Zeit keine Herrscheraufenthalte mehr bezeugt. In den Quellen werden für die Mitte des 12. Jh. bis zur ersten Hälfte des 13. Jh. lediglich Reichsministeriale genannt.

1291 übertrug König Rudolf von Habsburg dem Grafen Friedrich V. von Beichlingen das Amt des königlichen Burggrafen auf der Burg Kuffese. Im Jahr 1375 mussten die Grafen v. Beichlingen die Burg Kyffhausen von den Thüringer Landgrafen zum Lehen nehmen. Aber bereits 1378 verpfändete der Landgraf von Thüringen die Burgen Rothenburg und Kyffhausen für 970 Mark an die Grafen von Schwarzburg. Trotz des vereinbarten Rückkaufrechts kamen beide Burgen nicht mehr in den Besitz der Landgrafen von Thüringen. 1407 erhielten die Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt das Lehen über die Burg und lösten somit die Grafen von Beichlingen ab.

. In der Düringischen Chronik des Johannes Rothe (gest. 1434) wird Kyffhausen als "wustes sloz" bezeichnet. Lediglich in der Unterburg wurde die Kapelle nochmals wiederhergestellt und 1433 als Wallfahrtskapelle "Zum heiligen Kreuz" geweiht. Davon zeugen neben dem Bau selbst auch mehrere Bestattungen und die Funde von Pilgerzeichen. Spätestens mit der Reformation verlor auch dieses regionale Wallfahrtzentrum an Bedeutung und der Berg wurde bis zum Bau des Kyffhäuserdenkmals lediglich durch einen seit dem 15. Jh. betriebenen Steinbruch genutzt.

Nach der Erhebung der Grafen von Schwarzburg in den Reichsfürstenstand konnten sie sich aus der Lehensabhängigkeit der Wettiner Landgrafen von Thüringen lösen. Bis zur Novemberrevolution 1918 in Deutschland gehörte die Reichsburg Kyffhausen zum Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt, danach zum Freistaat Thüringen. Zwischen 1846 bis 1848 fanden an der Ruine der Burg Burschenschaftstreffen statt. Durch den Bau des Kyffhäuserdenkmal ab 1890 auf der Oberburg wurden deren Reste zu zwei Dritteln überbaut und somit vollständig zerstört. Nach den Freilegungen in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die Ruinen gesichert und teilweise wieder aufgemauert. Nach dem 2. Weltkrieg finden bis heute ständig Sicherungsarbeiten statt.

Von der Unterburg, dem ältesten Burgteil, sind Mauer- und Fundamentreste der Wohn- und Wirtschaftgebäude sowie der Stumpf des Bergfrieds und die Kapelle erhalten. Von der später als Steinbruch genutzten Mittelburg sind nur einige wenige Mauerreste erhalten. Der Hauptteil der Oberburg wurde durch den Bau des Kyffhäuser-Denkmals vollständig zerstört. Erhalten blieben u.a. der 176 m tief in den Fels getriebene und erst bei den Ausgrabungen wieder freigelegte Burgbrunnen, das Untergeschoss des Palas sowie der ursprünglich vermutlich 30 m hohe Bergfried (der so genannte “Barbarossaturm”).


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