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Provinz Posen

Die Provinz Posen mit der gleichnamigen Hauptstadt Posen war 1793 - 1920 eine Provinz des Staates Preußen, die jedoch nach dem Ersten Weltkrieg nur noch als kleiner Teil unter neuem Namen fortbestand. Sie entspricht ungefähr der historischen Region Großpolen, der Wiege der polnischen Nation und hatte eine mehrheitlich polnische Bevölkerung. Fast alle Polen in der Provinz Posen waren katholisch, 90 Prozent der Deutschen jedoch protestantisch. In den Städten lebte eine jüdische Minderheit, meist Handwerker, Geschäftsleute und Händler. Je kleiner eine Gemeinde war, um so eher war sie entweder rein polnisch oder rein deutsch besiedelt. Der Nordwesten der Provinz war eher deutsch geprägt, der Südosten eher polnisch. Im Laufe der Zeit wurde die Bevölkerung des Gebiets mehr und mehr germanisiert, etwa bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, als sich die Migration zur so genannten Ostflucht umkehrte, trotz der Bemühungen der Regierung in Berlin: Sie hatte eine Ansiedlungskommission ins Leben gerufen, die Land von Polen kaufte und nur Deutschen zum Kauf anbot.

Inhalt
1 Landschaft
2 Wechselnde Besitzer
3 Ethnischer Konflikt
4 Statistik
5 Verwaltungsgliederung vor 1920
6 Oberpräsidenten der Provinz Posen
7

Landschaft

Die Landschaft ist meist flach, entwässert von zwei großen Flüssen, der Netze (polnisch: Notec) im Norden und der Warthe (Warta) im Zentrum. Die Gletscher der Eiszeit ließen Moränenablagerungen zurück; über das Land sind zahlreiche schmale Seen verstreut, die von Nebenflüssen der beiden großen Flüsse durchflossen werden.

Der wichtigste Wirtschaftszweig war die Landwirtschaft. In einer Dreifelderwirtschaft wurden zahlreiche Getreidearten angebaut, vor allem Roggen, Zuckerrüben, Kartoffeln, anderes Getreide und etwas Tabak und Hopfen. Bedeutende Waldflächen stellten Baumaterial und Feuerholz zur Verfügung. Es gab einen eher kleinen Viehbestand, darunter Gänse, aber auch ziemlich viele Schafe.

Als das Gebiet unter preußische Herrschaft kam, herrschte immer noch ein feudales System, der jedoch von den Preußen schon 1807 im Rahmen der Bauernbefreiung und der Abschaffung der Erbuntertänigkeit durch die Reformen des Freiherrn vom Stein beseitigt wurde, während Polen unter russischer Herrschaft weiterhin feudal geprägt blieb. Überwiegend lebten und arbeiteten vor 1807 beziehungsweise 1810 polnische Leibeigene auf den Gütern der freien deutschen Landbesitzer und -pächter. Eine Besitzung bestand üblicherweise aus einem Gutshof und einem nahe gelegenen Dorf für die polnischen Arbeiter, möglicherweise auch noch einer weiteren deutschen Siedlung und einem Forsthaus im Wald. Die Grundbesitzer, meist deutsche Adlige, besaßen die örtliche Getreidemühle, oft auch weitere Mühlen oder auch eine Schnapsbrennerei. An vielen Orten war das Land von Windmühlen übersät, die an die ersten Siedler aus den Niederlanden erinnerten, die begonnen hatten, unfruchtbares Marschland für den Ackerbau zu kultivieren. Dieser Prozess wurde von den deutschen Siedlern fortgesetzt, die Brachland für ihre Grundbesitzer beanspruchten.

Wechselnde Besitzer

Ursprünglich ein Gebiet des polnischen Königreichs, entsprach das Gebiet ungefähr der Region Großpolen. Es wurde in den Polnischen Teilungen vom Königreich Preußen annektiert: in der ersten Teilung 1772 nur der Teil beidseits der Netze ("Netze-Distrikt"), in der zweiten Teilung 1793 der Rest. Während des Kosciuszko-Aufstands von 1794 verlor Preußen vorübergend die Kontrolle über das Gebiet, das ursprünglich "Südpreußen" genannt wurde.

Preußen, später das Deutsche Reich, blieben bis zum Ende des Ersten Weltkriegs im Besitz des Gebiets, abgesehen von der Zeit der Napoleonischen Kriege 1807 bis 1815. 1807 wurde das Großherzogtum Warschau in Folge der preußischen Niederlage im Frieden von Tilsit errichtet. Die Polen waren die wichtigsten Verbündeten Napoleons in Mitteleuropa, nahmen am polnischen Aufstand von 1806 teil und stellten Truppen für seine Feldzüge bereit.

Mit dem Wiener Kongress von 1815 fiel Posen zurück an Preußen und wurde zum "Großherzogtum Posen", einer autonomen Provinz unter preußischer Herrschaft mit dem Recht der "freien Entwicklung der polnischen Nation, Kultur und Sprache", außerhalb des Deutschen Bundes gelegen. Zu dieser Zeit war die Stadt Posen das Verwaltungszentrum und Sitz des "Prinzen Anton Radziwill von Posen". 1830 (oder 1846?) wurde das Gebiet in eine normale preußische Provinz umgewandelt.

Mit der deutschen Reichsgründung wurde die Provinz wie ganz Preußen ein Teil des zweiten Deutschen Reiches (1871-1918), und die Stadt Posen wurde offiziell zur kaiserlichen Residenzstadt ernannt. Die Provinz Posen war bis 1920 in die beiden Regierungsbezirke Posen und Bromberg gegliedert, die sich weiter in Stadtkreise und Landkreise aufgliederten.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der überwiegende Teil der Provinz gemäß den Bestimmungen des Vertrags von Versailles an Polen abgetreten. Ein kleiner bei Deutschland verbliebener westlicher Teil wurde 1922 mit dem westlichen Teil der ebenfalls überwiegend an Polen beziehungsweise an die Freie Stadt Danzig gelangten Provinz Westpreußen zur neuen Provinz "Grenzmark Posen-Westpreußen" vereinigt. Provinzhauptstadt wurde Schneidemühl (Piła). 1938 wurde diese Provinz unter den benachbarten Provinzen Schlesien, Pommern und Brandenburg aufgeteilt.

Von 1939 bis 1945 wurde der polnische Teil der ehemaligen Provinz Posen wieder an Deutschland zurückgegliedert und als "Reichsgau Posen" bezeichnet (ab 1940 "Reichsgau Wartheland"), bis auf den Netze-Distrikt, der wieder wie zwischen 1772 und 1807, in die Provinz Westpreußen (ab 1940 "Reichsgau Danzig-Westpreußen") eingegliedert wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam das ganze Gebiet unter polnische Verwaltung, gehört seit der deutschen Wiedervereinigung 1990 endgültig zur Republik Polen und bildet heute ungefähr die Woiwodschaft Großpolen.

Ethnischer Konflikt

Wegen des großen deutschen Bevölkerungsanteils (erst als Siedler, dann als Besatzer), der Präsenz der Militärmacht Preußen und des Unfriedens zwischen den drei großen Glaubensrichtungen war das Gebiet oft Schauplatz von ethnischen Konflikten. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs der deutsche Bevölkerungsanteil auf Grund der staatlich geförderten Kolonisierung. In der zweiten Hälfte wuchs der polnische Bevölkerungsanteil allmählich, wegen der deutschen Ostflucht und einer höheren Geburtenrate. Die Auseinandersetzung gipfelte im Kulturkampf, als sich viele deutsche Katholiken in der Provinz Posen mit Polen zur Opposition gegen die protestantische preußische Regierung solidarisierten. Mit der Germanisierung des Gebiets wurde die polnische Sprache allmählich aus Schule und Verwaltung verdrängt.

Statistik

Fläche: 28.970 km2 Bevölkerung

Verwaltungsgliederung vor 1920

Kreis Polnische Bezeichnung Bevölkerung 1905 Polen Deutsche ¹ Juden ² ursprünglicher Kreis
Regierungsbezirk Posen (südlicher Teil)
Stadtkreis Posen Poznań 55% 45%
Landkreis Adelnau Odolanów 90% 10% Ostrowo
Landkreis Birnbaum Międzychód 51% 49%
Landkreis Bomst ³ Babimost 49% 51%
Landkreis Fraustadt ³ Wschowa 27% 73%
Landkreis Gostyn Gostyn 87% 13% Kröben
Landkreis Grätz Grodzisk 82% 18% Buk
Landkreis Jarotschin Jarocin 83% 17% Pleschen
Landkreis Kempen Kępno 84% 16% Schildberg
Landkreis Koschmin Koźmin 83% 17% Krotoschin
Landkreis Kosten Kościan 89% 11%
Landkreis Krotoschin Krotoszyn 70% 30%
Landkreis Lissa Leszno 36% 64% Fraustadt
Landkreis Meseritz ³ Międzyrzecz 20% 80%
Landkreis Neutomischel Nowy Tomyśl 51% 49% Buk
Landkreis Obornik Oborniki 61% 39%
Landkreis Ostrowo Ostrów 80% 20%
Landkreis Pleschen Pleszew 85% 15%
Landkreis Posen-Ost Poznań, Wsch. 72% 28% Posen
Landkreis Posen-West Poznań, Zach. 87% 13% Posen
Landkreis Rawitsch Rawicz 55% 45% Kröben
Landkreis Samter Szamotuły 73% 27%
Landkreis Schildberg Ostrzeszów 90% 10%
Landkreis Schmiegel Śmigiel 82% 18% Kosten
Landkreis Schrimm Śrem 82% 18%
Landkreis Schroda Środa 88% 12%
Landkreis Schwerin an der Warthe ³ Skwierzyna 5% 95% Birnbaum - 1877
Landkreis Wreschen Września 84% 16%
Regierungsbezirk Bromberg (nördlicher Teil)
Stadtkreis Bromberg Bydgoszcz 16% 84%
Landkreis Bromberg Bydgoszcz 38% 62%
Landkreis Czarnikau 4 Czarnków 27% 73%
Landkreis Filehne 4 Wieleń 28% 72% Czarnikau
Landkreis Gnesen Gniezno 67% 33%
Landkreis Hohensalza Inowrocław 64% 36%
Landkreis Kolmar in Posen 4 Chodzież 18% 82%
Landkreis Mogilno Mogilno 76% 24%
Landkreis Schubin Szubin 56% 44%
Landkreis Strelno Strzelno 82% 18%
Landkreis Wirsitz Wyrzysk 47% 53%
Landkreis Witkowo Witkowo 83% 17%
Landkreis Wongrowitz Wągrowiec 77% 23%
Landkreis Znin Żnin 77% 23%
¹ mit zweisprachiger Bevölkerung
² Angehörige des jüdischen Glaubens, unabhängig von ihrer Muttersprache
³ gehörten ab 1922 zur neuen Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen
4 aus Teilen dieser Kreise wurde der Netzekreis gebildet, der ebenfalls der neuen Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen eingegliedert wurde

Oberpräsidenten der Provinz Posen

Amtszeit Name Lebensdaten
1815 - 1824 Joseph Zerboni de Sposetti 1760 - 1831
1825 - 1830 Johann Friedrich Theodor von Baumann 1768 - 1830
1830 - 1840 Eduard Heinrich Flottwell 1786 - 1865
1840 - 1842 Adolf Heinrich Graf von Arnim-Boitzenburg 1803 - 1868
1843 - 1850 Carl Moritz von Beurmann 1802 - 1870
1850 - 1851 Gustav Carl Gisbert Heinrich Wilhelm Gebhard von Bonin (1. Amtszeit) 1797 - 1878
1851 - 1860 Eugen von Puttkamer 1800 - 1874
1860 - 1862 Gustav Carl Gisbert Heinrich Wilhelm Gebhard von Bonin (2. Amtszeit) 1797 - 1878
1862 - 1869 Carl Wilhelm Heinrich Georg von Horn 1807 - 1889
1869 - 1873 Otto Graf von Königsmarck 1815 - 1889
1873 - 1886 William Barstow von Guenther 1815 - 1892
1886 - 1890 Robert Graf von Zedtlitz-Trützschler 1837 - 1914
1890 - 1899 Hugo The. Wich.Freiherr von Wilamowitz-Moellendorff 1840-1905
1899 - 1903 Karl Julius Rudolf von Bitter 1846 - 1914
1903 - 1911 Wilhelm August Hans von Waldow-Reitzenstein 1856 - 1937
1911 - 1914 Philipp Schwartzkopf ?
1914 - 1918 Joh. Karl Friedr. Moritz Ferd. v. Eisenhart-Rothe 1862-1942


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