Notarzt
Ein Notarzt ist ein Arzt, der in Akutsituationen mit Transportmitteln des Rettungsdienstes (Notarztwagen, Notarzteinsatzfahrzeug, Rettungshubschrauber) in kürzestmöglicher Zeit zum Patienten gelangt und dort präklinisch tätig ist. Er muss zusätzlich zu seiner ärztlichen Ausbildung über den sog. "Fachkundenachweis Rettungsdienst" oder eine ähnliche Qualifikation verfügen.
Er ist meist mit einer ganzen Reihe von Medikamenten und medizinischen Geräten ausgerüstet, um an Ort und Stelle arbeiten zu können.
Seine Aufgaben sind:
- akute lebensrettende Maßnahmen
- den Patienten transportfähig zu machen
- die Transportbegleitung und -Überwachung bis in ein geeignetes Krankenhaus
Er entscheidet auch über die Feststellung des Todes vor Ort.
Der Notarzt wird von speziell ausgebildetem Rettungsdienstpersonal (Rettungsassistenten und -sanitäter) begleitet, er ist diesen in medizinischer Hinsicht weisungsbefugt.
Einsatzbeispiele
Die Rettungsleitstelle entsendet einen Notarzt dann, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Diese sogenannten Indikationskataloge unterscheiden sich örtlich im Detail, umfassen aber in der Regel (Beispiel: Notarzt-Indikationskatalog Bayern - Stand März 2002):
- Bewusstseinsstörungen
- Atemstörungen
- Kreislaufstörungen
- Starke Schmerzen
- Akute Lähmung
- Vermutlich Schwerverletzte oder mehrere Verletzte (Unfallmechanismus)
- Sturz aus großer Höhe (mehr als 3 Meter)
- Wasser-, Ertrinkungs-, Tauch- und Eisunfälle
- eingeklemmte oder verschüttete Personen
- Verbrennungen, Verbrühungen, Verätzungen größeren Ausmaßes
- Suizid, suizidale Handlung
- Schuss-, Stich-, Hiebverletzungen im Kopf-, Hals- oder Rumpfbereich
- unmittelbar bevorstehende oder stattgefundene Geburt
Entwicklung
Anfang der 1970er Jahre wuchs in der Notfallmedizin die Erkenntnis, dass bereits vor Ort wichtige medizinische Maßnahmen geleistet werden müssen, um den Patienten für den Transport ins Krankenhaus zu stabilisieren und eine optimale nachfolgende Behandlung zu ermöglichen. Im Gegensatz zur damals bisher praktizierten Art und Weise, den Patienten einfach aufzunehmen und so schnell wie möglich, aber weitgehend unversorgt, in ein Krankenhaus zu transportieren.
In vielen Ländern wurden dafür nicht-ärztliche Helfer mit einer erweiterten Ausbildung qualifiziert (z.B. Paramedic-System in den USA). In Deutschland (wie in vielen europäischen Staaten, z.B. auch Frankreich) wurde dagegen der Ansatz gewählt, Ärzte direkt vor Ort einzusetzen. Diese Entwicklung war zum Teil von heute abenteuerlich anmutenden Experimenten begleitet, z.B. der Einsatz eines kompletten Operations-Teams (mit Bus und Anhänger für Notstromaggregat) in Heidelberg.
Heute hat man in Deutschland ein abgestuftes Rettungsdienst-Konzept, das mit qualifizierten nicht-ärztlichen Einsatzkräften (Rettungsassistenten, Rettungssanitäter) und Notärzten je nach Einsatz auf die Erfordernisse reagieren kann.
In der DDR wurde der Notarztdienst auch als Schnelle Medizinische Hilfe (Abkürzung: SMH), abgeleitet vom russischen skoraja medizinskaja pomoschtsch bezeichnet.
Sonderformen
- Ärztlicher Leiter Rettungsdienst (ÄLRD): ist medizinisch-organisatorisch für die Belange des Rettungsdienstes in seinem Bereich zuständig, z.B. für die Festlegung der medizinischen Ausrüstung (Medikamente usw.), für die Aus-/Fortbildung des Personals und für die Überwachung der einzuhaltenden Standards. Er muss nicht unbedingt ein aktiver Notarzt sein, es wäre aber wünschenswert.
- Leitender Notarzt (LNA): wird als medizinischer Einsatzleiter/Fachberater je nach jeweiliger Gesetzeslage (Bundeslandabhängig) bei Großeinsätzen und Katastrophen eingesetzt. Er ist dann den medizinisch tätigen Kräften und anderen Ärzten weisungsbefugt, er muss den Einsatz vor Ort in medizinischer Sicht organisieren.
Weitere Informationen
Der Ursprungsartikel stammt von der deutschsprachigen Wiki pedia (siehe oben: "Original Artikel & Autoren Liste"). Der Text steht unter der GNU Freie Dokumentation Lizenz. |