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Er studierte von 1946 bis 1949 Rechtswissenschaft. 1952 und 53 begann er mit dem Aufbau seiner "Zettelkästen" und war als Verwaltungsfachmann tätig. 1960 heiratete er Ursula von Walter. 1960/61 ließ er sich zum Studium an der Harvard-Universität beurlauben. Nach Forschungstätigkeit zu Beginn der 1960er Jahre an der "Sozialforschungsstelle der Universität Münster" in Dortmund promovierte und habilitierte er innerhalb eines Jahres 1966 im Fach Soziologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Seit 1968 lehrte er an der Universität Bielefeld Soziologie.
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1 Kurze Zusammenfassung 2 Werke 3 Literatur zu Luhmann 4 |
Kurze Zusammenfassung
Die Luhmannsche Systemtheorie (in Abgrenzung zur allgemeinen Systemtheorie von Ludwig von Bertalanffy u. a. sowie zur Theorie sozialer Systeme von Talcott Parsons) gilt derzeit als eine der wohl erfolgreichsten und populärsten Theoriemodelle im deutschen Sprachraum, nicht nur in der Soziologie, sondern auch in so diversen Feldern wie der Psychologie, der Theorie des Management oder der Literaturtheorie.
Luhmann entlehnt Grundbegriffe der Systemtheorie von Humberto Maturana. Ein System definiert sich danach selbst, indem es einen Unterschied zu seiner Umwelt markiert. Luhmann spricht mit Maturana von autopoietischen (griech.: selbsterzeugend), in operativer Hinsicht geschlossenen Systemen. Im Gegensatz zu Maturana, der den Begriff der Autopoiesis strikt auf Organismen beschränkt, weitet Luhmann ihn auf sinnkonstituierende Zusammenhänge aus.
Hieraus ergeben sich erkenntnistheoretische Konsequenzen, die Maturana als Vertreter des Radikalen Konstruktivismus als erster formuliert hat und die auch Luhmann i.W. teilt.
Letztelemente sozialer Systeme, postuliert Luhmann, sind nicht etwa handelnde Menschen, sondern Kommunikationen. Ein soziales System steuert sich selbst, in dem es ständig Kommunikationen produziert und anschlussfähig hält. Psychische Systeme (Bewusstsein) können nicht kommunizieren, sie denken; nur soziale Systeme (Interaktion, Organisation, Gesellschaft) können sich kommunikativ anregen.
Luhmann radikalisiert den Kommunikationsbegriff und definiert ihn als dreifache Selektion aus "Information, Mitteilung und Verstehen". Sein berühmtestes Bonmot zur weltgesellschaftlichen Kommunikation lautet: "Hier zählt jeder Fluch der Ruderer auf den Galeeren".
Luhmann hat Beschreibungen für einfache Interaktionssysteme (z.B. Liebesbeziehungen), Organisation, der Weltgesellschaft sowie für eine Vielzahl sozialer Funktionssysteme wie Recht, Wissenschaft, Wirtschaft, Religion, Erziehungswesen, Politik, aber auch Sozialarbeit und Kunst angefertigt bzw. angeregt. Dabei bedient er sich der Theoriefigur der "operativen Geschlossenheit" jedes der funktional differenzierten Systeme sowie des Gesellschaftssystems insgesamt. Diese Art der Analyse soll dem Soziologen/der Soziologin die trennscharfe Zurechnung von Kommunikationen, Ereignissen, Erlebnissen und kommunikativen Handlungen auf die gesellschaftlichen Subsysteme, ihre Codes, Medien, Strukturen, Frames und Programme ermöglichen.
Die Luhmannsche Systemtheorie hat eine teilweise heftige Debatte nicht nur in der Soziologie entfacht. Aus erkenntnistheoretischer Perspektive wird moniert, die Theorie laufe aufgrund ihres tautologischen Ansatzes leer und sage uns nicht mehr über die Welt, als was wir aufgrund fachwissenschaftlicher Erkenntnisse nicht ohnehin schon über sie wissen oder wissen könnten.
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