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1 Leben
1.1 Kindheit und Jugend
2 Werke1.2 Militärdienst 1.3 Pädagogische Reformbestrebungen 1.4 Die Zeit des inneren Umbruchs 1.5 Die Zeit der äußeren Konflikte 3 4 |
Leben
Kindheit und Jugend
Tolstoj entstammte einem alten russischen Adelsgeschlecht. Seine Kindheit in dieser reichen Oberschicht beschrieb er in der Romantrilogie Kindheit - Knabenalter - Jünglingsjahre zwischen 1852 und 1857. Nach dem er mit neun Jahren Vollwaise wurde, übernahm die Schwester seines Vaters die Vormundschaft. An der Universität Kasan begann er 1844 das Studium orientalischer Sprachen. Nach einem Wechsel zur juristischen Fakultät brach er das Studium 1847 ab um zu versuchen, die Lage der 350 geerbten Leibeigenen im Stammgut der Familie in Jasnaja Poljana mit Landreformen zu verbessern (Der Morgen eines Gutsbesitzers).
Militärdienst
Von 1851 an erlebte er im Militär als Feuerwerker einer Artilleriebrigade die Kämpfe im Kaukasus. Seine Erfahrungen mit jenen, die den Krieg führen müssen, beeinflussten seine frühen Kaukasus-Erzählungen (Der Holzschlag, Der Überfall). Nach Ausbruch des Krimkriegs erlebte er 1854 den Stellungskrieg in der belagerten Festung Sewastopol. Die realistischen Berichte aus diesem Krieg (1855: Sewastopoler Erzählungen) machten ihn als Schriftsteller früh bekannt.
Pädagogische Reformbestrebungen
Aus pädagogischem Interesse bereiste er 1857 und 1860/61 westeuropäische Länder. Er besuchte Künstler (Charles Dickens, Iwan Turgenjew) und Pädagogen (Friedrich Fröbel, Adolf Diesterweg).
Nach der Rückkehr verstärkte er die reformpädagogischen Bestrebungen und richtet Dorfschulen nach dem Vorbild Rousseaus ein. Seit 1855 lebte er abwechselnd auf dem Gut Jasnaja Poljana, in Moskau und in St. Petersburg. Einer dort am Zarenhof lebenden Verwandten (A. A. Tolstaja) schrieb er:
Im Jahre 1862 heiratete Tolstoj die achtzehnjährige deutschstämmige Sofia Andrejewna Bers (1844 - 1919). In den folgenden Jahren seiner Ehe schrieb er den monumentalen historischen Roman Krieg und Frieden sowie Anna Karenina. Beide Romane begründeten Tolstojs literarischen Weltruhm. In seinem Tagebuch hatte er Mitte der 1850er Jahre notiert: Es gibt etwas, was ich mehr als das Gute liebe: Ruhm.
Die Zeit des inneren Umbruchs
Mit dieser großen Anerkennung begann für Tolstoj eine Phase der Orientierungslosigkeit. Er fühlte sich "am Abgrund angelangt". In dieser Zeitspanne (1884) entstanden die Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen. Als Beteiligter an der Volkszählung im Jahr 1882 in Moskau nahm er ein Elend unter den Arbeitern wahr, welches die Armut der Bauern noch übertraf. Tief erschüttert versuchte er der Stadtflucht entgegenzuwirken, indem er Hilfe für von Missernten betroffene Bauern organisierte. Seine Sinnsuche erstreckte sich auf immer weitere Bereiche. So verzichtete er auf Rauchen, Alkohol und die Jagd ("Grausame Vergnügungen"), setzte sich wiederholt und oft erfolgreich für politisch und religiös Verfolgte ein, besuchte wegen Kriegsdienstverweigerung Inhaftierte im Gefängnis und blieb als Autor weiterhin produktiv, unterstützt von seiner Frau, die allein die 1400 Seiten von Krieg und Frieden sieben Mal abgeschrieben haben soll.
In der Erzählung Der Leinwandmesser verspottete er aus der Sicht eines Pferdes menschliches Besitzstreben:
Seit 1881 hatte er sich intensiv religiösen Fragen zugewandt. In einer Reihe von Gesprächen mit führenden Geistlichen wie dem Metropolit von Moskau sowie auf Reisen zu verschiedenen Kirchen und Klöstern entwickelte er eine Abneigung gegenüber der ihm begegnenden rituellen Form der Religiosität. Dieser und auch der in westlichen Kirchen praktizierten, den Kriegsdienst bejahenden Glaubensausübung stellte er die schlichten Lehren Jesu gegenüber. Hierzu übersetzte er die Evangelien erneut ins Russische. Als Kern betonte er hierbei die Nächstenliebe sowie den Appell, dem Bösen nicht mit Gewalt zu widerstehen:
Die Zeit der äußeren Konflikte
Der Achtung im Ausland folgte eine Ächtung im Inland. Seit 1882 unterstand er polizeilicher Überwachung. Meine Beichte sowie Worin mein Glaube besteht wurden mit dem Erscheinen sofort verboten. Über Tolstoj wurde das Gerücht verbreitet, er sei geistesgestört. Als Tolstoj angesichts der Verfolgung seiner Anhänger seine Verantwortung als Urheber betonte, antwortete man: Herr Graf! Ihr Ruhm ist zu groß, als dass unsere Gefängnisse ihn unterbringen könnten! Die Veröffentlichung des Romans Auferstehung führte dazu, dass ihn der Heilige Synod im Februar 1901 exkommunizierte, da er - unter anderem
Wie immer man die Person Christi auffassen mag, seine Lehre jedenfalls, die das Böse der Welt zunichte macht und dem Menschen so einfach, so leicht und unzweifelhaft Glück gewährt, so er sie nicht entstellt - diese Lehre ist ganz und gar verschwunden, ist verfälscht zu plumpem Hokuspokus mit Waschungen, Ölungen, Körperbewegungen, Beschwörungen, dem Verschlucken von Brotstückchen und dergleichen, und von der Lehre selbst bleibt nichts übrig. Versucht aber einmal jemand, die Menschen daran zu erinnern, dass die Lehre Christi nicht in solchen Zauberbräuchen, in Bitt- und Dankgottesdiensten, in Messen, Kerzen und Ikonen besteht, sondern darin, dass die Menschen einander lieben, Böses nicht mit Bösem vergelten, einander nicht verurteilen und töten, dann erheben alle, welchen dieser Schwindel Nutzen bringt, ein empörtes Geschrei und erklären in den Kirchen, in Büchern, Zeitungen und Katechismen lauthals und mit unfassbarer Dreistigkeit, Christus habe das Schwören nie verboten, habe den Mord (Hinrichtungen, Kriege) nie verboten und die Lehre vom Verzicht auf Widerstand gegen das Böse sei mit teuflischer List von Christi Feinden ersonnen. (Tolstoj zitiert Ambrosius, den Bischof von Charkiw)
Tolstoj entzog sich der Zusammenarbeit mit verschiedenen Bewegungen, die er beeinflusste. Für den 1909 in Stockholm geplanten Weltfriedenskongress erklärte er sich bereit, ein Manuskript zu schreiben. Dieses entsprach allerdings nicht den Erwartungen der Veranstalter. Der Kongress wurde abgesagt. Bereits am 28.8.1901 hatte Tolstoj an Bertha von Suttner geschrieben:
Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurden viele seiner Schriften in Deutschland verboten, ähnlich wie in Russland, wo seit seiner Beichte alle religiösen und sozialkritischen Werke nur illegal Verbreitung fanden. Mohandas Gandhi, welcher Indien gewaltlos zur Unabhängigkeit führte, schrieb: "Tolstojs Das Reich Gottes ist inwendig in Euch überwältigte mich. Ich studierte intensiv Bücher Tolstojs. Die kurze Darlegung der Evangelien, Was sollen wir denn tun? und andere Bücher machten tiefen Eindruck auf mich. Mehr und mehr begann ich, die unbegrenzten Möglichkeiten universaler Liebe zu erfassen. Ich hatte für mich den Teil des Werkes Tolstojs entdeckt, der heute fast völlig vergessen ist und vom Büchermarkt nahezu völlig verschwand.''
Werke
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Der Ursprungsartikel stammt von der deutschsprachigen Wiki pedia (siehe oben: "Original Artikel & Autoren Liste"). Der Text steht unter der GNU Freie Dokumentation Lizenz. |