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1 Entwicklung und Charakteristik 2 Verbreitung 3 Geschichte 4 Gesellschaft 5 Funde 6 Kunststile 7 |
Entwicklung und Charakteristik
Als Latènezeit oder La Tène-Kultur bezeichnet man die materielle Kultur der mittleren und jüngeren Eisenzeit in Mitteleuropa (bis zum Nordrand der Mittelgebirge) (ca. 480 bis - je nach Region 40/20/0 v. Chr).
Sie entwickelte sich aus der nordwestalpinen Hallstattkultur unter Einfluss aus dem mediterranen Raum als eigenständige Kunst- und Kulturform, die mit den historisch belegten Kelten identifiziert wird.
Als charakteristisch können vor allem die keltischen Kunstformen gelten.
Der Bestattungsritus war sowohl regional und auch zeitlich unterschiedlich. Im Westen und Süden des Verbreitungsgebiets herrscht zunächst die Leichenbestattung vor, im Norden und Osten Leichenverbrennung. In einigen Regionen konnte darüber hinaus für eine gewisse Zeit (wahrscheinlich im 4. Jh. v. Chr.) auch ein Nebeneinander von Körper- und Brandbestattung nachgewiesen werden.
Durch die weite Verbreitung und die regionalen Unterschiede kann kein "allgemein gültiger" Abriss der Latènekultur und ihrer Sitten gegeben werden. Es ist vielmehr notwendig, verschiedene Regionen gesondert zu betrachten.
Verbreitung
Kulturelle Elemente der La Tène-Zeit werden in Frankreich, der Schweiz, Österreich und im mittleren und westlichen Deutschland gefunden. Abwandlungen kommen gelegentlich auch in Nord- und Ostdeutschland vor.
Geschichte
Die La Tène-Kelten entwickelten sich unter dem Einfluß etruskischer und anderer mediterraner Einflüsse seit Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr aus der Hallstattkultur, wobei besonders die Regionen an ihrem Nordwestrand (Hunsrück-Eifel- und Marne-Mosel-Region) sowie am Dürrnberg (Österreich) durch hervorragende Bestattungen auffallen.
In diesen drei Regionen ist die Frühkeltische Kultur in herausragenden Gräber und anderen Funden des 5. und 4. Jahrhundert v. Chr besonders deutlich fassbar. Vor wenigen Jahren wurde das Ensemble von Glauberg in Hessen (ca. 30 km nord-östlich von Frankfurt a. M) zum Prototyp eines frühkeltisch-latènezeitlichen "Heiligtums" des 5. Jahrhundert v. Chr Neben zwei Prunkbestattungen mit Goldbeigaben und mutmaßlichen Importen unter einem Grabhügel fanden sich vier lebensgroße Figuren - eine davon fast vollständig - die wahrscheinlich zu einem heiligen Bezirk gehörten.
Nach dem 4. Jahrhundert v. Chr. fanden bei den Kelten grosse Wanderungsbewegungen statt. Die keltischen Einwanderer in der Po-Ebene Norditaliens plünderten Rom um 390 v. Chr. Während des 3. Jahrhunderts v. Chr stiessen sie in das Donaubecken bei Daker (Makedonien), Griechenland und Galatien vor. Für 281 v. Chr sind militärische Erfolge der Kelten in Makedonien belegt.
In Frankreich wird die dortige La Tène-Kultur nach römischer Überlieferung als "Gallier" bezeichnet. Sie hat insoweit einen Sonderstatus, als sie aus römischen Quellen lebendig wird und das "Verschwinden" der rechtsrheinischen Kelten um einige Jahrzehnte überdauert. Die Römer trafen hier seit dem 2. Jahrhundert v. Chr auf Kelten. Die anschließenden Kämpfe im Gallischen Krieg zogen sich bis zur Schlacht bei Alesia 52 v. Chr hin (Vercingetorix).
Im Südwesten Britanniens ist gegen Ende der La Tène-Zeit eine keltische Besiedlung nachweisbar. Der Rest der britannischen Inselwelt ist jedoch archäologisch nicht zur keltischen Kultur zu zählen.
Das scheinbare "Verschwinden" der Kelten in Mittel- und Süddeutschland im 1. Jahrhundert v. Chr wird gerne durch die nach Süden vordringenden Germanen erklärt, wobei diese Frage archäologisch noch nicht geklärt ist. Nach der Errichtung der Rhein- und Donaugrenze durch das Römische Reich (Limes) ging die La Tène Kultur in der provinzialrömischen Kultur auf.
Gesellschaft
Grundelemente der Gesellschaftsstruktur waren Clans, die sich zu Volksstämmen zusammenschloßen. Die Führungspositionen wurden überwiegend (aber nicht nur) von Männern eingenommen, insbesondere Stammesführer, Druiden und Barden, deren Führungsposition jedoch stets labil blieben. Frauen hatten dennoch mehr Einfluss als bei den zeitgenössischen Griechen und Römern und waren im wesentlichen gleichberechtigt.
Es gab Polygamie und Polyandrie.
Die mündlichen Überlieferungen der Barden und Druiden trugen wesentlich zur kulturellen Identifikation der losen Verbände bei.
Funde
1857 entdeckte Hans Kopp in La Tène im Schweizer Kanton Neuenburg bei Ausgrabungen große Mengen Artefakte, vermutlich Opferbeigaben. Ausgangspunkt der Kultur war jedoch nicht die Gegend um La Tène.
Heute entdeckt man Gegenstände aus der La Tène-Zeit vorwiegend in Hügelgräbern und Flachgräberfeldern.
Der La Tène-Zeit werden auch die zahlreichen Viereckschanzen in Süddeutschland und der Bretagne zugeordnet.
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