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Die Symbolik des Jahreskreises enthüllt eine umfassende Kosmologie, in der Himmelsrichtungen (Raum), Jahreszeiten (Zeit) und Wesenheiten auf unterschiedlichen Ebenen vom Elementarreich zum Beispiel der Elfen und Zwerge über Steine, Pflanzen, Tiere und das Reich der Menschen bis zu Göttern und Göttinnen miteinander verwoben ein lebendiges einheitliches Sein bilden.
Die Einheit allen Lebendigen beruht vor allem auf dem Gleichgewicht der Kräfte, wie sie sich in der ebenbürtigen Dualität zwischen Tag und Nacht, Sonne und Mond, männlich und weiblich und so weiter ausdrückt. So enthält der Jahreskreis einen Sonnenkreis mit den vier Kardinalpunkten des Sonnenstandes (Tief- und Höchststand, die Sonnenwenden, und die beiden Tag- und Nachtgleichen) und einen Mondkreis, der die Eckpunkte des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens markiert: der keltische Jahresanfang 31. Oktober/1. November, die Wiederkehr des Lichtes, der Zeit der Reinigung 1/2. Februar, die Zeit der Fruchtbarkeit 30. April/1. Mai und der Beginn der Ernte 1/2. August. Die Zuordnung der vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft zu den Richtungen und Abschnitten im Kreis ist eine weiterer Ausdruck der harmonischen Balance der Kräfte.
Dass die Kelten den Mondzyklus nicht geringer achteten als den Sonnenkreis, ihn sogar als grundlegend für das Leben betrachteten, lässt sich auch daran erkennen, dass der Jahresbeginn durch ein Mondfest markiert wird. Ebenso beginnt für die vorchristlichen Kelten ein Tag mit dem Sonnenuntergang des - für uns vorhergehenden - Tages, so dass, wie im Ebryonalzustand, das Leben stets zuerst eine dunkle Phase durchlebt, ehe es in voller Kraft ans Licht tritt. Das Aufeinanderbezogensein allen Lebens stellt ein Grundelement des keltischen Denkens dar und ist im Jahreskreis in vielen Dimensionen nachvollziehbar.
Der keltische Geist steht mit dieser Weltsicht nicht allein. Auch andere Völker kennen die Radsymbolik. Wir finden sie in Form des östlichen Mandalas oder des indianischen Medizinrades. Immer wurden mit diesem Symbol Interpretationen des Lebens und seiner Abläufe zwischen Geburt und Tod bzw. Tod und Geburt zur Verfügung gestellt, die als grundlegende Raster Wahrnehmung und Denken der Völker strukturierten.
Die keltischen Jahresfeste:
Siehe auch: Kelten, Heidentum, Jahreskreis
Bemerkung
Der Name "keltischer Jahreskreis" ist insofern verwirrend, als archäologische Funde nachgewiesen haben, dass alle prähistorischen Völker der Erde die Sonnenwende sowie Tag- und Nachtgleiche als wichtige Fixpunkte im Jahreslauf betrachteten. Die meisten heute noch bekannten Mythologien kennen sich ähnlich sehende Legenden, die sich auf diese Ereignisse beziehen - beispielsweise die weltweit bekannten Feste zur Wintersonnenwende, bei denen die Wiederkunft des Lichts oder die Geburt eines Sonnengottes gefeiert wird.
Wolf-Dieter Storl, Pflanzen der Kelten. Heilkunde, Pflanzenzauber, Baumkalender, 3.Auflage, AT Verlag Aarau Schweiz 2003 ISBN 3-85502-705-6
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