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Julirevolution

Die Julirevolution von 1830 hatte den endgültigen Sturz der Bourbonen in Frankreich und die erneute Machtergreifung des Bürgertums in einem liberaleren Königreich zur Folge.

Ursache der Revolution war die reaktionäre Politik Karls X, dessen oberstes Ziel es war, die Zustände wieder herzustellen, wie sie vor 1789 geherrscht hatten, damit hinter die Französische Revolution zurückzugehen und die Vorherrschaft des Adels wieder durchzusetzen (Restauration). Sein Kabinett unter dem Grafen Polignac regierte konsequent an der Abgeordnetenkammer vorbei. Gemeinsam mit den sozialen Problemen der einsetzenden Industrialisierung (siehe Industrielle Revolution) führte dies zu einer politisch-explosiven Stimmung, die auch nicht durch die Eroberung Algeriens im Frühjahr abgelenkt werden konnte.

Ähnlich wie in der "großen" Revolution von 1789 verband sich das liberale (und auch bonapartistische) Bürgertum mit einer proto-proletarischen Unterschicht, die erstmals seit 1795 politisch wieder aktiv wurde. Vorbereiter der Revolution war der Chefredakteur des National, Adolphe Thiers, der in den folgenden Regierungen zu einem der wichtigsten französischen Politiker wurde.

Unmittelbarer Auslöser der Julirevolution waren die Juliordonnanzen, in denen die Abgeordnetenkammer aufgelöst, der Wahlzensus extrem nach oben gesetzt und die Pressefreiheit weiter eingeschränkt wurde.

Nach wenigen Tagen Barrikadenkämpfen gab die Regierung auf und Karl X. flüchtete nach Großbritannien. Die Unruhen der Unterschicht konnten ohne Probleme unterdrückt werden und auch die Republikaner konnten sich nicht durchsetzen, zumal ein republikanisches Frankreich außenpolitische Schwierigkeiten bis hin zu einer Intervention der Heiligen Allianz hätte fürchten müssen. So setzte sich die gemäßigte Partei des Großbürgertums um Thiers und vor allem François Pierre Guillaume Guizot durch. Ein entfernter Vetter des Königs wurde auf den Thron gesetzt: Louis Philippe von Orléans, der so genannte "Bürgerkönig".

Damit begann die Periode der "Julimonarchie", die als Goldenes Zeitalter des französischen Bürgertums gilt.

Gleichzeitig strahlte diese Revolution auf den Rest Europas aus. Nicht nur, dass die liberale Bewegung überall Auftrieb erhielt. In einigen Staaten des Deutschen Bundeses wie Sachsen, Hannover, Hessen-Kassel und Braunschweig wurden nach Unruhen neue Verfassungen erstellt, die aber noch im landständischen Rahmen blieben.

Auch in Italien bzw. den italienischen Staaten, im (Kirchenstaat, in Parma und Modena) gab es Unruhen (siehe auch Risorgimento), vor allem aber im seit dem Wiener Kongress von 1814/15 zwischen Preußen, Österreich und Russland aufgeteilten Polen (Kongresspolen), wo die polnische Frage durch den Aufstand von neuem aufgeworfen wurde. Der Zar wurde als König von Polen abgesetzt und eine nationale Regierung unter Adam Jerzy Fürst Czartoryski gebildet. Erst im Herbst 1831 konnte der Aufstand von russischen Truppen niedergeschlagen werden; Polen sank in den Rang einer russischen Provinz herab. In Paris entstand eine einflussreiche polnische Emigrantenszene, die sich aber bald in "Weiße" und "Rote" aufspaltete.

Auch in der unmittelbaren nordöstlichen Nachbarschaft Frankreichs gab es Auswirkungen: die südlichen Niederlande rebellierten gegen die nördliche Bevormundung und im November 1830 wurde das Königreich Belgien ausgerufen. Die Verfassung, die sich der neue Staat gab, galt als die fortschrittlichste Europas. Die Grenzen des Landes wurden nach diversen Militäraktionen erst 1839 mit der Teilung Luxemburgs festgelegt.

Längerfristig stärkte die Julirevolution die liberalen und demokratischen Bestrebungen in ganz Europa. Als Louis-Philippe sich immer mehr von seinen liberalen Wurzeln entfernte und sich schließlich der vom metternichschenschen System geprägten "Heiligen Allianz" anschloss, kam es 1848 zu einer weiteren bürgerlich-liberalen Revolution in Frankreich, der Februarrevolution 1848, bei der es zur Ausrufung der zweiten französischen Republik kam. Die Februarrevolution löste auch die Märzrevolution in vielen anderen Staaten Europas aus, die zur Überwindung der metternichschen Restauration führte.


Der Ursprungsartikel stammt von der deutschsprachigen Wiki pedia (siehe oben: "Original Artikel & Autoren Liste").
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