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Leben
Aus großbürgerlichen Verhältnissen stammend, wendete sich Itard 1796, nach Beendigung seines Medizinstudiums, zunächst der Chirurgie zu. Im Jahr 1800 übernahm er die Stelle des Chefarztes am späteren Kaiserlichen Taubstummen-Institut in Paris. Noch im selben Jahr lernte er dort seinen berühmtesten Schüler kennen: Viktor, den sogenannten "Wilden von Aveyron", ein Kind von elf oder zwölf Jahren, das 1799 im Wald von Caune (Aveyron), völlig nackt und verwildert aufgegriffen worden war und dessen dramatisches Schicksal seinerzeit für großes öffentliches Aufsehen sorgte. In zwei berühmten Gutachten aus den Jahren 1801 und 1806 dokumentierte und rechtfertigte Itard seine mehrjährigen Unterrichts- und Erziehungsversuche. Als angesehener Arzt empfing Itard am Vormittag seine Privatpatienten und ging am Abend seiner Tätigkeit in der Taubstummenanstalt nach.
1821 wurde er Mitglied der Académie de Médicine. Ebenfalls 1821 veröffentlichte er seine Abhandlung über die Krankheiten des Ohres und des Gehörs (Traité des maladies de l'oreille et de l'audition, Paris), die ihn zum anerkannten Wegbereiter der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (Oto-Rhino-Larygologie) machte. Durch seine pädagogische Arbeit mit Viktor sowie zahlreiche Abhandlungen zur Spracherziehung und Unterrichtung Gehörloser galt Itard zugleich als ein Vorläufer der Gehörlosenpädagogik und der Geistigbehindertenpädagogik.
Die von Itard entwickelten Methoden und didaktischen Materialien wurden später von seinem Schüler Edouard Séguin zu einer vollständigen Erziehungslehre ausgearbeitet. Vermittelt und z.T. modifiziert durch das Werk von Maria Montessori erfreuen sich diese didaktischen Materialien, wie z.B. Steckbrettchen oder Einsatzzylinder, vor allem in Kindergärten sowie in Grund- und Sonderschulen bis heute großer Beliebtheit.
Werke
Film
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