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Zur Veranschaulichung der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit genügt ein einfacher Selbstversuch: Wie setzt man die folgende Zahlenreihe fort? - 3 4 6 9 13 18 24 ... Was geht dabei in einem vor? Zuerst muß man die Zahlen erkennen. Das dauert einige Zehntelsekunden. Dann sind zwei benachbarte Zahlen im Kopf zu behalten, und es ist die Differenz zwischen ihnen festzustellen. Anschließend muß man die nächste Zahl wahrnehmen, die Differenz zur vorigen bilden und mit der vorher ermittelten Differenz vergleichen. Alle diese Vorgänge brauchen Zeit. Der Zeitverbrauch summiert sich rasch zu Sekunden. Wird dabei die zeitliche Grenze der Gedächtnisspanne und damit seine Kurzspeicherkapazität, die z. B. bei einem Menschen mit IQ 112 bei 70 Bit liegt, überschritten, so verfügt man nicht mehr über alle Zahlen bzw. nicht mehr über alle für den Denkvorgang notwendigen Begriffe. Eine sachgerechte Antwort bzw. eine Problemlösung ist dann nicht mehr möglich.
Eine gebräuchliche Methode, die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit zu messen, ist die Zeit zu messen, mit der Entscheidungen zwischen verschiedenen Alternativen getroffen werden. Muß die Entscheidung zwischen zwei Möglichkeiten getroffen werden, dann ist es eine 1-Bit-Entscheidung, zwischen vier Möglichkeiten eine 2-Bit-Entscheidung usw. - Der Psychologe Siegfried Lehrl entwickelte einen "Kurztest der Allgemeinen Intelligenz" (KAI), mit dem die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit durch die Lesegeschwindigkeit gemessen wird. Die Testpersonen werden dabei aufgefordert, Zufallsfolgen von Buchstaben, z. B. r z l m s e ... mit größtmöglicher Geschwindigkeit zu lesen. Die Lesegeschwindigkeit bzw. die allgemeine Auffassungsgeschwindigkeit ist in unseren Kulturen von grundlegender Bedeutung. Die praktischen Zusammenhänge mit Schule und Arbeitswelt sind dabei offenkundig. Die in der PISA-Studie 2000 eingesetzten Tests haben auch gerade diese Fähigkeit gemessen.
Es ist ein bemerkenswertes Ergebnis der Informationspsychologie, daß die Beziehung zwischen Kurzspeicherkapazität und zum IQ unabhängig von der Art der Sinnesorgane besteht, d. h. unabhängig davon, ob die Information mit Augen oder Ohren aufgenommen wird. Auch bei Blinden, die die Blindenschrift mit ihrem Tastsinn lesen, lassen sich die Zusammenhänge zum IQ auf diese Weise messen. Der hochintelligente Blinde liest, d. h. tastet und verarbeitet die Information, doppelt oder dreimal so schnell wie ein wenig intelligenter Blinder.
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