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Globalisierung

Unter dem Begriff Globalisierung versteht man im Allgemeinen das weltweite Zusammenwirken und eine immer stärker werdende Verknüpfung der nationalen Märkte und Gesellschaften auf Grund von Entwicklungen im Bereich des Informationen- und Warentransportes.

Der aus der Ökonomie und Soziologie stammende Begriff Globalisierung dringt nach 1990 in die öffentlichen Debatten, und bezeichnet eine Zunahme der nationenübergreifenden wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen. Dieser Prozess beginnt schon mit der Entwicklung des Kapitalismus, bekommt aber nach dem Zusammenbruch des Sozialismus eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit. Mit der Verdichtung der transnationalen Beziehungen geht eine Zunahme der wechselseitigen Abhängigkeiten einher. Man kann die Globalisierung auf mehreren Ebenen unterscheiden:

Inhalt
1 Kapital- und Warenverkehr
2 Transport und zunehmende Wanderungsbewegungen
3 Kommunikationsprozesse
4 Kultur
5 Internationaler Rechtsverkehr
6 Internationale Politik
7 Kritik
8 Gestaltung der Globalisierung
9 Siehe auch
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Kapital- und Warenverkehr

(siehe: Handel)

Der weltweite statistische nachweisbare Warenhandel stieg zwischen 1950 und 1998 um das 17-fache während die statistisch dokumentierte Güterproduktion sich nur um das 6-fache vergrößerte. Die Zahl der direkten Auslandsinvestitionen war zwischen 1970 und 1998 von 21 auf 227 Mrd. US-$ gestiegen. Die Anzahl der transnationalen Unternehmen wuchs im selben Zeitraum von 7000 auf 449000. Neben der Zunahme des Warenverkehrs kam es zu einer massiven Zunahme der Kapitaltransaktionen auf dem Kapitalmarkt.

Die Zunahme des Waren-, Kapital- (GATT-Verträge) und Dienstleistungsverkehrs (GATS-Verträge) wurde vor allem durch die Welthandelsorganisation (WTO - World Trade Organisation), die USA und die EU vorangetrieben. Diese erstreben einen möglichst unbeschränkten, freien Handel. Sie wollen die so genannten vier Freiheiten, Modell für den EU-Binnenmarkt, vorantreiben:

Den Tendenzen zur Ausweitung des Handels stehen zugleich partiell protektionistische Interessen gegenüber. So wird die Öffnung der Nicht-Industrieländer für Industrieprodukte vorangetrieben, während sich die EU und die USA den Agrar-Produkten anderer Staaten durch Schutzzollmaßnahmen verschließen.

Transport und zunehmende Wanderungsbewegungen

Die Zahl der Personen-Kilometer im internationalen Flugverkehr hat sich seit 1950 mehr als verhundertfacht. Auch die Menge der Luftfracht hat sich seit 1950 mehr als verhundertfacht. Der Umfang der zu See transportierten Güter steigt seit 1920 stark. Mit den Ausweitung des Zug-, Automobil und Luftverkehrs weiten sich der grenzüberschreitende Personenverkehr und der Tourismus stark aus. Durch die faktische Zunahme an Transport- und Reisemöglichkeiten wächst auch die illegale Migration.

Kommunikationsprozesse

(siehe: Digitale Revolution)

Die Zahl der Telefonanschlüsse am weltweiten Telefonnetz hat sich seit 1960 verzehnfacht. Neben dem Telefon entwickeln sich mit dem Mobiltelefon, dem Fax und dem Internet neue Kommunikationstechnologien. Vor allem über das Internet haben sich die grenzüberschreitenden Kommunikationsprozesse vervielfacht und die Zahl der Internetanschlüsse steigt weiter exponentiell...

Kultur

Unter Globalisierung der Kultur verstehen vor allem die Kritiker eine Ausbreitung westlicher Wertvorstellungen und Lebensstile. Eine massive Verbreitung westlicher Werte finde vor allem über das Fernsehen und das Kino statt, aber auch Musik und Mode (wie zum Beispiel die Krawatte) würden weltweit vom Westen beeinflusst. Der Massentourismus in die exotischen Urlaubsländer allerdings führt dort immer öfter zum deutlichen Rückgang der kulturellen Traditionen, weil im Zuge einer wachsenden Abhängigkeit fast nur noch für die Touristen gelebt und gearbeitet werde.

Befürworter sehen in der Globalisierung der Kultur eine Entwicklung zur weltweiten Verfügbarkeit von Elementen aller Kulturen (beispielsweise Restaurants deutscher Tradition in Afrika, afrikanische Musik in Deutschland, etc.). Die Verdrängung der einheimischen Kulturen spiele sich, sagen sie, häufig nur auf einer oberflächlichen Ebene ab. Einflüsse würden modifiziert und in die eigenen kulturellen Wertvorstellungen eingebunden. Außerdem verbessere sich die Situation von vielen Menschen, bzw. Menschengruppen durch den Kontakt mit der westlichen Kultur (zum Beispiel Gleichberechtigung der Frau).

Internationaler Rechtsverkehr

Grundlage aller Globalisierung ist ein Miteinander der Völker in geregelten, rechtlichen Bahnen, eben dem internationalen Rechtsverkehr. Neben einer Vielzahl von völkerrechtlichen Verträgen ist die im Jahre 1961 beschlossene Haager Konvention Nummer 12 zur Befreiung ausländischer öffentlicher Urkunden von der Beglaubigung, bzw. Legalisation die wichtigste Rechtsnorm. Die darin vorgesehene Entbürokratisierung und Vereinfachung des Rechtsverkehrs zwischen den Staaten hat eine Globalisierung, wie sie sich heute darstellt, erst ermöglicht. Sie ermöglicht wegen des hohen Mitgliederstandes einen beinahe weltumspannenden Rechtsverkehr, ohne dass die diplomatischen Dienste in Anspruch genommen werden müssen (Siehe auch Apostille). 234

Internationale Politik

Globalisierungsprozesse sind vielfältig und komplex, sie beschreiben eine Vielzahl ineinander fließender wirtschaftlicher, politischer, ökonomischer, gesellschaftlicher und technischer Prozesse. Sie stellt neue Ansprüche an die Zusammenarbeit zwische Staaten und an die Entwicklung von supranationalen Organisationen (siehe auch Weltkonzern, Weltwirtschaft).

Als erstes Parlament der Welt hat der Deutsche Bundestag 1999 eine Kommission eingerichtet, die sich systematisch mit den Fragen der Globalisierung beschäftigt, die Enquete-Kommission Globalisierung der Weltwirtschaft - Herausforderungen und Antworten, (Bundestagsdrucksache 14/2350), Vorsitzender der Enquete-Kommission ist der Abgeordnete Ernst Ulrich von Weizsäcker (SPD), Stellvertreter ist der Abgeordnete Thomas Rachel (CDU). Der Abschlussbericht der Kommission wurde 2002 dem Parlament vorgelegt (Drucksache 14/9200 www.bundestag.de/gremien/welt/glob_end/ ).

Kritik

Wenn heutzutage die "Globalisierung" kritisiert wird, kommt das von sehr unterschiedlichen Gruppierungen (Globalisierungsgegnern):

Die Globalisierungskritik von beispielsweise ATTAC richtet sich gegen die "neoliberale Globalisierung". Gemeint ist vor allem die deregulierte Öffnung der Märkte weltweit im Sinne des Neoliberalismus: Alle Waren und alle Dienstleistungen, einschließlich der Bildungseinrichtungen, des Öffentlichen Verkehrswesens und der Güter der Grundversorgung (z.B. Trinkwasser), sollen demnach nicht unbeschränkt überall verkauft und gekauft werden können. Kritisiert wird, dass diese Form der Globalisierung zu einer Zunahme der weltweiten Ungleichheit führt.

Daneben richtet sich die Globalisierungkritik aus der Zivilgesellschaft gegen mangelnde Demokratie bei der Harmonisierung internationalen Rechtes, insbesondere die Ausschaltung legislativer Organe. Diesen Punkt greift auch Peter Ulrich, ein bekannter Wirtschaftsethiker auf: Im Rahmen des durch die Globalisierung verschärften Standortwettbewerbs treten ohne einen institutionellen Überbau gerade die Organe miteinander in einen gloablen Wettbewerb, die eigentlich dazu da sind, den Wettbewerb in - wie er es nennt - vitalpolitische Bahnen zu lenken. Seiner Ansicht nach sind die Staaten dazu da, die Kräfte des Wettbewerbs in einer Marktwirtschaft zum Wohle der Bürger zu instrumentalisieren. Da sie aber selbst miteinander im Wettbewerb stehen, ohne dass es eine übergeordnete regulierende Instanz gibt, sieht Ulrich die Gefahr, dass es zu Öko- und Sozialdumping kommt (Vgl. Ulrich, Integrative Wirtschaftsethik, 2. Aufl., S. 379 ff.).

Ein weiterer Kritikpunkt ist die zunehmende Umweltzerstörung, weil die Abgase der Flugzeuge, Autos und Fabriken immer mehr zunehmen. Auch verbreiten sich durch den zunehmenden Tourismus Tropenkrankheiten sogar in Länder gemäßigter Breite, weil man sich z.B. im Flugzeug anstecken kann.

Die Globalisierungskritik von deutschen nationalistischen Gruppierungen wie z.B. der NPD wendet sich gegen die zunehmende Angleichung der Kulturen und gegen die abnehmende Bedeutung der Nationalstaaten. Nationalisten wenden sich daher insbesondere gegen die im Zuge der Globalisierung erfolgende Zuwanderung und Völkervermischung.

Gestaltung der Globalisierung

Da Globalisierung von Menschen geschaffen worden ist, also nicht naturgegeben ist, kann die Politik die Globalisierung gestalten. Der eher unverdächtige Sozialflügel der CDU, die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA), macht sich in dem in der Literaturliste angegeben Text von Matthias Zimmer Gedanken zur Gestaltung der Globalisierung, denen auch Globalisierungskritiker wie zum Beispiel attac zustimmen würden. Zusammengefasst fordert die CDA:

Eine verantwortliche Wirtschaft, die

Desweiteren will die CDA, Mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken, dass verbindliche Regelungen und eine Stärkung internationaler Institionen eingeführten werden müssen, insbesondere, Außerdem sollen sich die politischen Entscheidungsträger dafür einsetzen, Die CDA meint, dass es im öffentlichem Interesse ist, bestimmte Bereiche der Daseinsvorsorge nicht den Regeln von Angebot und Nachfrage zu unterwerfen. Dazu gehören In dem Zusammenhang will die CDA dass

Siehe auch

WTO, Zivilgesellschaft, Lokalisierung, Internationalisierung, Unternehmensstandort, Markenartikel

 
Le Monde diplomatique: Atlas der Globalisierung ISBN 3980691764
  • Ulrich Beck: Was ist Globalisierung? ISBN 3-51840-944-1
  • Bernard Cassen, Susan George, Horst-Eberhard Richter und Jean Ziegler: Eine andere Welt ist möglich. ISBN 387975845X.
  • Stefan Engel: Götterdämmerung über der „neuen Weltordnung“ ISBN 3-88021-340-2 (Umfassendes Grundlagenwerk)
  • Thomas L. Friedman: Globalisierung verstehen. Zwischen Marktplatz und Weltmarkt ISBN 3612267957
  • Christiane Grefe, Mathias Greffrath, Harald Schumann: Attac. Was wollen die Globalisierungskritiker? ISBN 3871344516
  • Hans-Peter Martin, Harald Schumann: Die Globalisierungsfalle/Angriff auf Wohlstand und Demokratie ISBN 3-499-60450-7
  • Viviane Forrester: Der Terror der Ökonomie ISBN 3-44212799-8 (Streitschrift über das Verschwinden der Arbeit und seine Folgen , 1996)
  • Joseph E. Stiglitz: Die Schatten der Globalisierung ISBN 3-88680-753-3
  • Giddens, Anthony: Entfesselte Welt ISBN 3518122002 (Einfach zu lesen)
  • Naomi Klein, Helmut Dierlamm (Übersetzer): No Logo!; Riemann Verlag; 2002; ISBN 3570500284
  • Ignacio Ramonet, Chefredakteur von Le Monde diplomatique, veröffentlichte 1997 einen Artikel (Entwaffnet die Märkte!), der zum Manifest der Globalisierungskritiker geriet. Ein anderer wichtiger Artikel zur Globalisierung (www.ratical.org/co-globalize/lastfront.html The Last Frontier) wurde von Maude Barlow, Kanada, geschrieben und im Februar 2001 veröffentlicht.
  • Johannes Rau: Chance, nicht Schicksal - die Globalisierung politisch gestalten "Berliner Rede" von Bundespräsident Johannes Rau am 13. Mai 2002 www.bundespraesident.de/Anlage20374/Die_Berliner_Rede_2002_von_Bundespraesident_Johannes_Rau.pdf PDF-Dokument
  • Matthias Zimmer: www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/dokumentation/?cnt=457023 Der Rückzug des Staates ist keine Lösung. Globalisierung, Gerechtigkeit und Solidarität: Bausteine einer Sozialpolitik im 21. Jahrhundert. Dokumentation der Frankfurter Rundschau

      
       
      
      
      
     
    

    Der Ursprungsartikel stammt von der deutschsprachigen Wiki pedia (siehe oben: "Original Artikel & Autoren Liste").
    Der Text steht unter der GNU Free Documentation License.



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