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Leben und Werk
Am 15. April 1858 wurde Émile Durkheim als Sohn eines Rabbiners in Épinal (Lothringen) geboren. Er wurde an der Ecole Normale Supérieure erzogen, wo er zusammen mit einer Reihe später ebenfalls sehr bedeutsamen Männern, darunter Lucien Lévy-Bruhl und dem Sozialistenführer Jean Jaurès studierte. Zunächst war er als Lehrer für Philosophie an Gymnasien tätig. Nach einem Studienaufenthalt in Deutschland 1885-1886 verschaffte ihm der Leiter der Hochschulabteilung im Erziehungsministerium 1887 einen Lehrauftrag für Sozialwissenschaft in Bordeaux, wo er schließlich Professor für Pädagogik und Soziologie wurde.
1898 gründete er die Année Sociologique, die zur Grundlage der Durkheim-Schule wurde. 1902 nimmt er seine Lehrtätigkeit an der Pariser Universität Sorbonne auf wo er 1906 einen Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft erhält, der 1913 in Erziehungswissenschaft und Soziologie umbenannt wird.
Am 15. November 1917 starb er in Paris.
Werk
Durkheims bekanntestes Werk ist "Le suicide" (Der Selbstmord bzw. Die Selbsttötung, 1897), in dem er die unterschiedlichen Selbsttötungsraten unter Protestanten und Katholiken untersucht, die er auf die strengere soziale Kontrolle unter Katholiken zurückführt. In diesem Werk entwickelt er auch den Begriff der Anomie, die er als Situation definiert, in der Verwirrung über soziale und/oder moralische Normen herrscht, diese unklar oder schlicht nicht vorhanden sind. Dies führt nach Durkheim zu abweichendem Verhalten.
Weitere bedeutende Werke Durkheims sind De la division du travail social (Über die Teilung der sozialen Arbeit, 1893) und Les formes élémentaires de la vie religieuse (Die elementaren Formen des religiösen Lebens, 1912).
Durkheim galt als "Sessel-Anthropologe", d.h. er betreib selbst nie Feldforschungen, sondern fasste die Dinge zusammen, die andere vor Ort beobachtet hatten.
Er prägte insbesondere zwei große Theorien der Anthropologie/Soziologie: Den britischen Funktionalismus (Bronislaw Malinowski, Alfred Radcliffe-Brown) und den französischen Strukturalismus.
Seine zentralen Fragen waren: Was prägt die moderne Industriegesellschaft, in der ich aufwachse- und was unterscheidet sie von anderen Gesellschaften? Seine Schlussfolgerung dazu: Die Arbeitsteilung! Die Arbeitsteilung ist das, was die (damals) moderne Industriegesellschaft von anderen Gesellschaften unterscheidet. Durch die Arbeitsteilung und die daraus resultierende Spezialisierung der Fähigkeiten sind die Individuen aufeinander angewiesen und ergänzen sich gegenseitig. Das darauf basierende Prinzip der "organischen Solidarität" positioniert Durkheim als Gegenpol in direkter Auseinandersetzung mit dem Utilitarismus, namentlich mit Herbert Spencer. Die Industriegesellschaft hat nach Durkheim eine differenzierte, hochentwickelte und komplexe Arbeitsteilung von solchen Ausmaßen, dass sie der Einzelne nicht mehr überblickt. In Wahrheit ist hier der Einzelne überaus abhängig, jedoch entwickelt er eine Ideologie, die genau das Gegenteil sagt - nämlich den Individualismus. Durkheim zeigte als erster dieses Paradoxon der Industriegesellschaft auf. Andere, wenig oder nicht-industrialisierte Gesellschaften kennzeichnet eine viel einfachere und überschaubarere Arbeitsteilung.
In die deutsche Soziologie wirkte Durkheim über die "Kölner Schule" René Königs stark hinein.
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