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Chemisches Gleichgewicht

Das Chemische Gleichgewicht gehört zur Gruppe der dynamischen Gleichgewichte.

Grundsätzlich kann sich bei umkehrbaren chemischen Reaktionen ein Gleichgewicht einstellen.

Bei umkehrbaren (reversiblen) Reaktionen können Hin- und Rückreaktion ablaufen.

Reaktionen, die einen Gleichgewichtszustand einnehmen können, werden als Gleichgewichtsreaktionen bezeichnet.

Inhalt
1 Der Gleichgewichtszustand
2 Das Massenwirkungsgesetz
3 Einfluss eines Katalysators
4 Störung des Gleichgewichtes - Prinzip von LeChatelier
5 Freie Enthalpie
6 Beispiele

Der Gleichgewichtszustand

Obwohl Hin- und Rückreaktion beständig ablaufen, also Edukte in Produkte und diese wiederum in Edukte umgewandelt werden, verändern sich im Gleichgewicht die Konzentrationen der Edukte und Produkte nicht.

Die Gleichgewichtskonzentrationen der Edukte und Produkte sind konstant und für jede Reaktion charakteristisch.

Im Gleichgewicht ist die Geschwindigkeit der Hinreaktion gleich der Geschwindigkeit der Rückreaktion.

Das Massenwirkungsgesetz

Ableitung

Die Geschwindigkeit einer chemischen Reaktion ist direkt proportional zur Konzentration der Edukte:
v ~ c(Edukte)
Je höher die Konzentration der Edukte ist, desto schneller läuft die Reaktion ab.

Im Verlauf einer Gleichgewichtsreaktion nimmt die Konzentration der Edukte ständig ab. Dadurch verringert sich auch die Geschwindigkeit der Hinreaktion. Gleichzeitig nimmt die Konzentration der Produkte ständig zu. Dadurch vergrößert sich die Geschwindigkeit der Rückreaktion. Sind schließlich beide Reaktionsgeschwindigkeiten gleich, wird in gleichen Zeitspannen ebenso viel Produkt wie Edukt gebildet: Das Gleichgewicht ist erreicht.

Für die Reaktion gilt:

im Gleichgewichtszustand gilt dann:

Daraus folgt:

Zeichenerkärung: khin: Geschwindigkeitskonstante der Hinreaktion; krück: Geschwindigkeitskonstante der Rückreaktion; K: Gleichgewichtskonstante oder Massenwirkungskonstante

Gleichgewichtslage

Die Lage eines Gleichgewichts - und damit die Gleichgewichtskonstante - ist durch die Reaktionsbedingungen Temperatur und Druck festgelegt.
Ist die Gleichgewichtskonstante sehr groß, liegt das Gleichgewicht praktisch vollständig auf der Seite der Produkte.
Ist die Gleichgewichtskonstante sehr klein, liegt das Gleichgewicht praktisch vollständig auf der Seite der Edukte.

Eine Zunahme der Gleichgewichtskonstante K bedeutet eine Verschiebung des Gleichgewichts auf die Seite der Produkte, eine Abnahme von K bedeutet eine Verschiebung des Gleichgewichts auf die Seite der Edukte.

Einfluss eines Katalysators

Ein Katalysator beschleunigt Hin- und Rückreaktion auf die gleiche Weise. Er verändert damit nicht die Gleichgewichtskonzentrationen der Edukte und Produkte, bewirkt aber, dass sich der Gleichgewichtszustand schneller einstellt.

Störung des Gleichgewichtes - Prinzip von LeChatelier

Wird ein chemisches Gleichgewicht gestört, dann läuft diejenige Reaktion beschleunigt ab, die diese Störung wieder rückgängig macht.

Störungen sind:

Konzentrationsänderungen

Zufuhr bzw. Wegnahme eines Reaktionspartners verschiebt das Gleichgewicht in die Richtung, die einen Teil dieser Komponente verbraucht bzw. entstehen lässt.

Soll ein Gleichgewicht vollständig zugunsten eines Produkts ablaufen, genügt es, eines der Produkte aus dem Reaktionsgemisch zu entfernen. Dadurch wird die Rückreaktion unterbunden.

Verändert man die Konzentration von einem der am Gleichgewicht beteiligten Stoffe, ändern sich die Konzentrationen aller anderen Partner.

Da das Gleichgewicht nur von der Temperatur und ggf. vom druck abhängt, erfolgt die Änderung mit dem Ziel, das ursprüngliche Gleichgewicht wieder herzustellen. Für eine Gleichgewichtsreaktion

mit

lassen sich dabei folgende Fälle unterscheiden:
Änderung bewirkt
Zugabe von A bzw. B Zunahme der Produkte
Zugabe von C bzw. D Zunahme der Edukte
Entzug von A bzw. B Zunahme der Edukte
Entzug von C bzw. D Zunahme der Produkte

Beispiele:

Eine Änderung der Reaktionsbedingungen Temperatur und Druck führt zu einer Verschiebung des Gleichgewichts und somit zu einer Änderung der Gleichgewichtskonzentrationen:

Zufuhr bzw. Entzug von Wärme / Änderung der Temperatur

Wärmezufuhr bzw. Wärmeentzug bewirken eine Gleichgewichtsverschiebung , d.h. die Einstellung eines neuen Gleichgewichts mit veränderten Konzentrationen. Wärmeentzug begünstigt die Wärme liefernde (exotherme) Reaktion , Wärmezufuhr die Wärme verbrauchende (endotherme) Reaktion. Dadurch fällt die Temperaturänderung des Systems geringer aus als ohne Gleichgewichtsverschiebung.

Eine Temperaturänderung führt immer zu einer Änderung der Gleichgewichtskonzentrationen. Welche Konzentration dabei zunehmen bzw. abnehmen, hängt davon ab, ob die Bildung der Produkte exotherm oder endotherm ist:

Störung Art der Reaktion Zunahme der
Temperaturerhöhung exotherm Edukte
endotherm Produkte
Temperaturerniedrigung exotherm Produkte
endotherm Edukte

Volumenänderung / Änderung des Drucks

Das System verringert den durch die Volumenänderung erzeugten Druck, indem es zugunsten der Seite abläuft, die die geringere Teilchenzahl aufweist und somit das kleinere Volumen benötigt.

Eine von außen bewirkte Volumenänderung beeinflusst chemische Gleichgewichte ohne Beteiligung von Gasen kaum und solche, bei denen gasförmige Stoffe beteiligt sind, nur dann, wenn sich die Teilchenzahl in der Gasphase durch Gleichgewichtsverschiebung ändert. Bei Änderung der Teilchenzahl bewirkt eine Volumenänderung eine Druckänderung, die geringer ausfällt, als wenn die Gase zu keiner Reaktion fähig wären. Eine Volumenverkleinerung /-vergrößerung verschiebt das Gleichgewicht in Richtung geringerer / größerer Teilchenzahl des gasförmigen Systems. Dadurch fällt die Druckerhöhung weniger stark aus.

Gleichgewichtsreaktionen, an denen Gase beteiligt sind, sind häufig mit einer Änderung der Teilchenzahl verbunden. In einem geschlossenen System kann man daher je nach Reaktionsbedingungen eine Druckänderung oder eine Volumenänderung feststellen.

Die Lage des Gleichgewichts kann durch eine Druckerhöhung von außen beeinflusst werden: - bei konstantem Reaktionsvolumen durch weitere Zufuhr von Edukten - bei veränderlichem Reaktionsvolumen durch Komprimieren Wird ein einem geschlossenen Stoffsystem der Druck erhöht, verlagert sich das Gleichgewicht nach der Seite geringerer Teilchenzahlen.

Bei Reaktionen, die mit keiner Änderung der Teilchenzahl verbunden sind, führt eine Druckänderung zu keiner Verschiebung des Gleichgewichts.

Einen besonderen Fall stellen Gleichgewichtsreaktionen dar, bei denen gasförmige Produkte vorliegen.

Findet die Reaktion in einem offenen System statt, kann das bei der Reaktion entstehende gas ständig entweichen. Dadurch wird ständig neues Gas produziert, das wiederum entweicht. Diese Störung des Gleichgewichts führt dazu, dass es sich nicht mehr einstellen kann: die Reaktion verläuft vollständig zur Produktseite.

Eine Druckänderung wirkt sich nur in einem geschlossenen System auf das Gleichgewicht aus.

Freie Enthalpie

Je größer der Unterschied in der freien Enthalpie (ΔG) zwischen Edukten und Produkten ist, desto mehr liegt das Gleichgewicht auf der Seite mit der niedrigeren freien Enthalpie.

R = 0,00831 kJ/K·mol)
K = Gleichgewichtskonstante
T = Temperatur in Kelvin

für Redoxreaktionen gilt:

z = Zahl der ausgetauschten Elektronen
F = Faraday-Konstante
ε0 = Normalpotential einer Redox-Teilreaktion

Beispiele


Der Ursprungsartikel stammt von der deutschsprachigen Wiki pedia (siehe oben: "Original Artikel & Autoren Liste").
Der Text steht unter der GNU Freie Dokumentation Lizenz.