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Caligulas Vater Germanicus war besonders bei den Soldaten sehr populär, da er sich um deren Anliegen kümmterte. Die Sympathien, die Caligulas Vater entgegen gebracht wurden, wurden zunächst auch auch Caligula übertragen. Außerdem war Caligula den Soldaten gut bekannt; als Sohn des Oberbefehlshabers über die römischen Truppen am Rhein wuchs er in Heerlagern auf. Die Soldaten ließen für den kleinen Jungen eine komplette Legionärsausrüstung anfertigen, einschließlich der genagelten Schuhe, caligae, woher sein Spitzname Caligula (Stiefelchen) stammt. Dieser Spitzname wurde allerdings zu seiner Zeit kaum benutzt.
In den ersten Monaten seiner Regentschaft machte sich Caligula auch weiter beim Volk beliebt. Er beschloss Steuersenkungen und veranstaltete große Feste und Spiele mit Wagenrennen, Tier- und Gladiatorkämpfen. Die Senatoren Roms hofften, mit dem jungen und unerfahrenen Regenten eine willfährige Marionette bekommen zu haben. Die Senatoren gingen jedoch schnell in geheime Opposition zu Caligula, als sie feststellen mussten, dass der neue Kaiser willens war, die autokratische Position seiner beiden Vorgänger Augustus und Tiberius nicht nur einzunehmen, sondern auch noch auszubauen und den Senat weiter zu entmachten. Tiberius hatte Caligula durch sparsame Finanzpolitik einen gewaltigen Staatsschatz hinterlassen. Durch die Politik der offenen Hand war das Geld aber nach wenigen Monaten aufgebraucht. Auch in heutiger Währung hätte es sich wohl um Milliardensummen gehandelt. Trotzdem wollte und konnte Caligula auf seinen repräsentativ-verschwenderischen Lebensstil nicht verzichten, der dazu diente, seine Herrschaft zu zementieren.
Der römische Historiker Sueton schreibt in seiner Caligula-Biographie "Bis hierhin vom Herrscher, ab jetzt muss vom Scheusal berichtet werden". So wird berichtet, er habe sein Lieblingspferd (Incitatus) in einem Anfall geistiger Umnachtung zum Senator gemacht; hierbei handelte es sich wohl um eine zynische Geste, die den alten Familien zeigen sollte, dass die Macht, Senatoren zu ernennnen und zu stürzen, von nun an allein bei Caligula lag. Um die Löcher in der Staatskasse zu füllen, erließ Caligula immer neue Gesetze, mit denen er die führenden reichen Familien ausplündern und damit schwächen konnte. So wurden zum Beispiel Testamente ungültig, wenn jemand behauptete, der Verstorbene hätte den Kaiser als Erben einsetzen wollen.
Entgegen der weit verbreiteten Annahme, Caligula wäre im Verlauf seiner Herrschaft größenwahnsinnig und geisteskrank geworden, unterlag er bei der Etablierung des durch die nachlässige Herrschaft des Tiberius (vor allem während dessen Zeit auf Capri) unsicher gewordenen Prinzipats den Verschwörungen der Optimaten.
Von vielen Autoren wird als selbstverständlich vorausgesetzt, dass Caligula geisteskrank war. Allerdings manche seiner Handlungen in der Betrachtungsweise der Antike rational nachvollziehbar. Besonders der Freiburger Historikers Winterling versucht, die antiken Quellen historisch-kritisch zu bewerten. So galt (und gilt noch immer) vielen Historikern Caligulas Forderung, wie ein Gott verehrt zu werden, als unmissverständlicher Hinweis auf Größenwahn und Irrsinn. Ein Gott im antik-römischen Sinne ist aber nicht das eine, unfehlbare Überwesen der seit dem frühen Mittelalter weltweit dominierenden monotheistischen Religionen. Das Wesen des römischen Kaisers, diese Annahme lässt sich anhand zeitgenössischer Quellen überprüfen, war von "göttlicher Natur". Ein Kaiser im Diesseits verfügte zu Lebzeiten über eine Art göttlichen Doppelgänger im Jenseits, mit dem er nach seinem Tode quasi fusionierte. Da der Senat von einem "guten Kaiser" (wie etwa Augustus) erwartete, dass er seine (auch nach römischem Recht abgesicherte) Überlegenheit in Reden und Verlautbarungen möglichst kaschierte, war Caligulas Forderung eine sinnvolle Unverschämtheit eines Kaisers, der auf möglichst weitgehende Marginalisierung der anderen Mächte Roms bedacht war. Ein Indiz für Wahnsinn, was die Behauptung, man sei ein Gott, in unseren (post-) aufgeklärten Zeiten darstellen mag, war sie in Caligulas Epoche nicht.
Am Ende wurde Caligula schließlich von bestochenen Mitgliedern seiner Leibwache, der Prätorianergarde anlässlich eines Theaterbesuches getötet.
Einen ideologischen Verzicht auf Germanien gab es ab Caligula nicht mehr, allerdings gab es in der Praxis Konzessionen an die Realpolitik , auch besaß Germania als Ziel nicht die oberste Priorität. Der politische Germania-Begriff wurde immer mehr reduziert, bis er unter Domitian nur noch die um 85 n. Chr. endgültig konstituierten Provinzen Germania Inferior und Superior umfaßte.
Die Germanienpolitik des Caligula
Caligulas kurzfristige Expansionsphase knüpfte an die Tradition seines Vaters Germanicus an. Die Herrschaft über Germanien blieb weiter das Ziel, aber die Herrschaft über ein Germanien, dessen Grenzen nicht genannt werden, aber es wird deutlich, dass der politische Germania-Begriff immer weiter reduziert wurde. Die Militärterritorien des ober- und niedergermanischen Heeres blieben Provisorien und die "Germanenfrage" blieb offen.
siehe auch: Caligula (Film)
| Vorgänger: Tiberius (14 - 37) | Römische Kaiser | Nachfolger: Claudius (41 - 54) |
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