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Auszug aus Ägypten

Inhalt
1 Inhalt
2 Bedeutung
3 Folge
4 Wirkungsgeschichte
4.1 Im Judentum
4.2 Im Christentum
4.3 Allgemein
5 Darstellungen
5.4 Gemälde
5.5 Gedichte
5.6 Musik

Inhalt

Auszug (= Exodus) meint die gelungene Flucht von Hebräern aus dem Zwangs-Frondienst der ägyptischen Pharaonen, etwa im 13. Jahrhundert v. Chr Hebräer (ägypt. hapiru) waren rechtlose Arbeiter der untersten sozialen Schicht. Es gibt ägyptische Berichte von Nomaden, die wegen Dürre und Hunger ins Nildelta hereingelassen und dann Bauarbeiten leisten mussten. Der bauwütige Ramses II. kommt für den Exodus in Frage. Auch von Revolten und Fluchtversuchen wird berichtet, die niedergeschlagen wurden.

Als historischer Kern ist aus den verschiedenen Berichten in der hebräischen Bibel (Altes Testament), besonders 2. Mose, zu erkennen: Ehemalige Nomaden (Israeliten und „viel fremdes Volk“) konnten leichtfüßig durch flache Schilfseen flüchten, deren Wasser vom Ostwind verdrängt war - während die Kampfwagen der schnellen ägyptischen Eingreiftruppe im Morast stecken blieben. - Im Lauf des Weitererzählens wurden dann immer mehr wunderhafte Teile zugefügt.

Bedeutung

Bedeutung gewann diese für Ägypten unbedeutende Flucht als Gründungserlebnis für den israelitischen Stämmebund. Für die gewonnene Freiheit dankten sie nicht dem Wegführer Mose, sondern einem bisher unbekannten Gott „JHWH“ (etwa Jawe gesprochen) - durch die Deutung der Prophetin Mirjam (2. Mose 15, 20) und eines midianitischen Priesters (2. Mose 18, 10). Dieses Urbekenntnis zu JHWH, „der dich aus Ägypten herausgeführt hat“, steht über 200 mal im Alten Testament.

Folge

Monotheismus. Weil ihnen diese Befreiung so kostbar war, wollten sie nur noch diesen Gott, der befreit, verehren. Damit unterschieden sie sich von bisherigen monotheistischen Ansätzen: Bei Phrarao Echnaton oder den Persern war der eine Gott da zur Stabilisierung der Macht. Dagegen wurde im Auszug ein Gott erkannt, der sich „der Elenden erbarmt“! Daraus resultierte für Israel Herrschaftskritik und Sozialgesetze zum Schutz von Fremden und Schwachen. So einen Gott für Unterdrückte gab es im ganzen Orient nicht.Obwohl die verschiedenen biblischen Traditionen erst im babylonischen Exil (6. Jahrhundert v. Chr) mit Gesetzen zusammen zur „Thora“ geformt wurden, ist der Auszug aus Ägypten keine nachträgliche Legende. Das belegen nicht nur die alten Sozial-gesetze, die immer wieder mit dem Exodus begründet sind (z. B. 3. Mose 19, 33-36 und 25, 35-38), sondern besonders die Kritik an den Herrschern. Im Orient war der Herrscher als Gottessohn durch die Religion gestützt (z. B. Ramses = Kind des Rah), aber das Volk Israel glaubte sich selbst nun als Sohn Gottes, darum mußte ihr König die Gebote über sich anerkennen und konnte von daher kritisiert werden. Sogar ein Aufstand gegen Salomons Sohn (926 v. Chr) wurde mit dem Exodus begründet, weil dieser König den Frondienst verschärften wollte (1. Könige 11 und 12).

Wirkungsgeschichte

Im Judentum

Obwohl Rabbis die Befreiung aus Ägypten als Geburt und Lebensbestimmung des jüdischen Volkes ansehen, und im größten Fest, dem Passa sieben Tage lang feiern, hat doch das auf Mose zurückgeführte Gesetz das Judentum geprägt. (Von daher wird auch im Koran vom Exodus nur Moses' Gesetzgebung gewürdigt.)

Im Christentum

Im Christentum wurde der eigentliche Kern des Auszugs, die Befreiung, vielfach durch Deutungen überdeckt: allegorisch (als Weg der Seele) und typologisch (Durchzug durchs Wasser als Vorbild, Typos, für die Taufe). Mose wurde oft für den Machterhalt missbraucht, z. B. wurde Kaiser Konstantin als „Neuer Mose“ gefeiert; Papst Sixtus IV. ließ in der Sixtinischen Kapelle in Rom mehrere Wandgemälde vom Auszug malen, aber keine Befreiung, sondern wie Mose Abtrünnige bestraft.

Allgemein

Dennoch wurde die Auszugs-Geschichte zum Treibsatz für die 'meisten Freiheitsbewegungen innerhalb und außerhalb der Kirche, für Katharer in der Provence, Waldenser in Italien, Hussiten in Prag, Calvinisten in Holland, Puritaner in England, Pilgrim Fathers in den USA, Befreiungsbewegungen der Schwarzen in den USA (mit dem Spiritual: „When Israel was in Egypts land, let my people go...“, und Befreiungs-Theologen in Südamerika. Ihre Inspiration, ihr Heilsvokabular und ihre Legitimation bezogen sie aus dem Exodus (leider auch für blutige „Säuberungen“). Auch die 12 Artikel, die Forderungen unserer Bauern im Bauernkrieg 1525 waren mit dem Exodus begründet.

Darstellungen

Kunst, Literatur und Musik haben den Exodus-Freiheitsgedanken durch Unterdrückungszeiten hindurch getragen.

Gemälde

Von den Katakomben Roms bis zu Marc Chagalls Exodus-Zyklus gibt es nicht nur Gemälde von Mose als Gesetzgeber, sondern auch, wie Mose mutig vor Pharao tritt und Freiheit für die Fronarbeiter fordert.

Gedichte

Schon im 11. Jahrhundert gab es deutsche Gedichte, die diese Befreiung weitertrugen. Im 16. Jahrhundert z. B.: „...wenn man die Ziegel dupliziert / und gar zu sehr tyrannisiert / und das Volk zu Gott seufzt und schreit, / so ist Moses gewiss nicht weit...“ Besonders beim Aufkommen des Nationalsozialismus gab es Exodus-Gedichte der Freiheitshoffnung. Auch Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine, Sigmund Freud, Franz Werfel, Thomas Mann u. a. schrieben darüber.

Musik

Musik trug vielfach den Freiheitsgedanken weiter: Seit dem 17. Jahrhundert sind Oratorien und Opern bekannt, z. B.: „Israel in Egypt“ von Georg Friedrich Händel - bis zu Arnold Schönberg und Kurt Weill. Oft waren es aber einfache Lieder, nicht nur Spirituals. Besonders ab etwa 1960 gibt es viele deutsche Lieder dazu, die besonders durch Kirchentage bekannt wurden, z. B.: „Wenn das rote Meer grüne Welle hat, dann ziehen wir frei, heim aus dem Land der Sklaverei. ... Wenn unsre Tränen Früchte tragen, dann bleiben wir hier, dann bleiben wir hier, weil sich das Land gewandelt hat...“
Der Ursprungsartikel stammt von der deutschsprachigen Wiki pedia (siehe oben: "Original Artikel & Autoren Liste").
Der Text steht unter der GNU Freie Dokumentation Lizenz.