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Antiamerikanismus

Antiamerikanismus bezeichnet eine ablehnende bis feindliche Haltung gegen die politischen, gesellschaftlichen oder kulturellen Verhältnisse in den USA.

Der Begriff ist so gut wie immer eine Fremdbezeichnung; kaum jemand bezeichnet sich selbst offen als antiamerikanisch. Die des Antiamerikanismus Beschuldigten streiten in der Regel den Vorwurf ab und werfen ihren Gegnern vor, eine in ihren Augen berechtigte Kritik an den USA mithilfe eines Kampfbegriffs pauschal zu diffamieren. Viele von ihnen halten den Begriff per se für unbrauchbar.

Die USA werden von vielen als Land der Energieverschwendung, das auf Kosten anderer lebt (Handelsbilanzdefizit), des national gesinnten Militarismus und eines durchgreifenden Waffen-Lobbyismus und somit als Problem angesehen. Dies kommt in vielfältiger Gestalt zum Ausdruck und betrifft Amerikaner und Nicht-Amerikaner.

Während bestimmte Ausformungen eher global ausgerichtet sind, politisch als Anti-Imperialismus, ökonomisch als Anti-Kapitalismus oder Kommunismus, religiös (atheistisch oder aber anti-säkular fundamentalistisch), richten sich andere Meinungen ganz konkret gegen das mit den jeweiligen Erscheinungen identifizierte Amerika (kulturell (Anti-Hollywood), moralische (gegen die "westliche Dekadenz") oder gegen militärische Gestaltungen seiner Globalstrategie.

Antiamerikanismus ist ein Begriff mit geringer Trennschärfe und geringer Begriffstiefe. Antiamerikanismus ist häufig ein politischer Kampfbegriff, der bisweilen als "platter Antiamerikanismus" bezeichnet und benutzt wird, um etwa die Friedensbewegung zu diskreditieren www.gegenwind-whv.de/a17605.htm . Er wird selten benutzt, um einen Standpunkt zu verdeutlichen, sondern um einem anderen Standpunkt abzuwerten ("Das ist ja antiamerikanisch!"). Zugleich werde der Amerikanismus der Willigen www.freitag.de/2003/14/03140602.php jegliche Kritik und Analyse entzogen.

Nach dem Historiker Tony Judt errege Amerika ... Ressentiments durch das, was es ist, und Antipathien durch das, was es tut www.forum-dl21.de/FILE/download/2002/aussensich/usbudg.pdf . Die Amerikaner wirken ungern bei internationalen Initiativen und Vereinbarungen mit, sei es in Fragen der Klimaerwärmung, der biologischen Kriegführung, des Strafrechts (Internationaler Gerichtshof) oder der Rechte der Frauen [...]. Aus den zwei unterschiedlichen Gesellschaftsmodellen in Europa und Amerika ergäben sich recht unterschiedliche Einschätzungen der Weltlage.

Antiamerikanismus hat auch eine irrationale Komponente.

Von außen: Handlungen des Subjekts Amerika (meistens der Regierung) werden nicht als Handlungen an sich kritisiert, sondern das Subjekt selbst wird Gegenstand der Kritik. Das führt zu Problemen in Diskussionen, die wie eine Gerichtsverhandlung geführt werden, mit den USA als Angeklagter. In diesem Diskurs ist es schwierig spezifische Kritik zu äußern.

Von innen: Aufgrund der Einflussmöglichkeiten im Zeitalter der Massenmedien ist eine kritisch-reflektierende Verhaltensweise der amerikanischen Bürger erschwert. Auch auf Seiten der Bevölkerung werden irrationale Gut/Böse Schemata aufgenommen und verbreitet. (siehe Achse des Bösen)

Inhalt
1 Geschichte
2 Siehe auch

Geschichte

Amerika war schon früh eine Projektionsfläche für Europa. Der irische Bischof und Philosoph George Berkeley meint 1726, dass die ehrwürdige Theorie von der translatio imperii, studii et religionis, d.h dass die Entwicklung der Menschheit dem Sonnenlauf folge und sich von Osten nach Westen - ex oriente lux - bewege: er sah Amerika als den "westlichsten" Kontinent.

Charles Dickens kehrte 1842 von einer USA-Reise enttäuscht zurück: er veröffentlichte einen sozialkritischen Reisebericht "American Notes", in dem er die mangelnde Verbundenheit zur Scholle und die schlechten Umgangsformen beklagte.

Für Metternich war die damals in den USA bereits etablierte Demokratie eine Hölle: Für politische Rebellen lautete die Alternative oft Festungshaft in Kufstein oder Ausweisung in die USA. 1848 gab es eine Auswanderungswelle in die USA; der zivile und soziale Unmut wurde gleichsam nach Amerika "exportiert". Auch aus anderen Gründen gab es Auswanderungsbewegungen: die hungernden Iren, die unter Armut leidenden Skandinavier, Russen und Burgenländer wollten ihre Lage verbessern: "Fare Amerika" gilt im Italienischenen heute noch als Synoym für "Erfolg haben". Die Eisenbahnen betrieben selbständig so genannte Auswanderungsagenturen.

Im 20. Jahrhundert wurden die USA zeitweilig zum Feindbild der Gewerkschaften: der aufkommende Fordismus und Taylorismus wurden als unmenschlich gegeißelt. Bertolt Brecht kritisierte den "nackten Kapitalismus".

In den 20er Jahren kamen amerikanische Filme und auch amerikanische Firmen nach Europa. Die schwarze Sängerin Josephine Baker galt als Sensation. Jazz galt damals ironischerweise bei den amerikanischen Eliten als unamerikanisch. So kann man auch das Beschimpfen des Jazz und von Comics als amerikanisch bezeichnen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Niederschlagung des Nationalsozialismus in Deutschland 1945 brachen die ideologischen Gegensätze zwischen der Sowjetunion einerseits und den westlichen Alliierten mit den USA an der Spitze andererseits offen aus und mündeten in der Ost-West-Auseinandersetzung und im Kalten Krieg. In dieser Phase wurde von den sozialistischen Ländern ein ideologisch begründeter Antiamerikanismus geschürt. Zum Ausdruck kommt er zum Beispiel in den Worten Walter Ulbrichts: "Wir sind gegen diesen ganzen Amerikanismus, wir sind für die Schätze der deutschen Kultur [...] und wir führen einen harten Kampf gegen den Amerikanismus. Das ist eine große Aufgabe zur Verteidigung der deutschen Kultur." (Neues Deutschland vom 26. April 1952)

Die Maßnahmen der USA gegen Ende des Zweiten Weltkrieges (Atombomben auf Hiroschima und Nagasaki mit Hunderttausenden von Opfern, die Kriege in Korea und Vietnam) haben nicht nur eine neue Friedensbewegung auf den Plan gerufen, sondern auch das bis dahin gültige Amerikabild in Frage gestellt.

Da die US-amerikanisch finanzierte Popkultur für die Jugend Europas Vorbild war, die US-Politik jedoch kaum unterstützt wurde, übernahm man in Europa Formen des Widerstands der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung: "Teach-Ins" und "sit-inss" wurden abgehalten, und es wurden unter anderem auch amerikanische Friedenslieder gesungen. Solche Kulturen der Emanzipation wurden von einer "Kulturelite" in der USA selbst als "unamerikanisch" angesehen und teilweise bekämpft. Organisationen wie ACTA thematisieren heute den, aus ihrer Sicht, mangelnden Patriotismus in Amerika.

Siehe auch


Der Ursprungsartikel stammt von der deutschsprachigen Wiki pedia (siehe oben: "Original Artikel & Autoren Liste").
Der Text steht unter der GNU Freie Dokumentation Lizenz.