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In geographischer Hinsicht gehören zum Kernbestand der Alten Geschichte alle Regionen, die Teil des Römischen Reichs zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung unter Kaiser Trajan waren. Die Alte Geschichte ist damit im wesentlichen Geschichte Griechenlands und Römische Geschichte. Im 19. Jahrhundert, das als das historisierende Jahrhundert schlechthin angesehen werden kann, nahmen die Geschichtswissenschaft (vor allem in Deutschland) und die Archäologie einen gewaltigen Aufschwung. Eine ganze Reihe überragender Geschichtswissenschaftler (Lepsius, Niebuhr, Curtius, Mommsen u.a.) dehnten ihre Forschungen auf immer weitere Regionen und Forschungsgebiete aus. Das führte dazu, dass die Alte Geschichte sich mehr und mehr auch mit solchen Regionen befasste, die bisher außerhalb seiner Reichweite gelegen hatten. Die Geschichte des alten Ägyptens, Mesopotamiens, Irans und Anatoliens wurden in das Fach einbezogen, so dass am Ende des 19. Jahrhunderts die Alte Geschichte neben der Geschichte des griechisch-römischen Altertums auch die Geschichte des Alten Orients umfaßte. Die umfassende Beherrschung des gewaltigen Gebiets der Geschichte der Alten Welt (also Europas, Nordafrikas sowie des Vorderen und Mittleren Orients) samt den dazu erforderlichen Hilfswissenschaften, namentlich den diversen antiken Sprachen und Schriften (Sumerisch, Akkadisch, Babylonisch, Persisch, Koptisch, Aramäisch, Griechisch, Lateinisch, diverser anatolischer Sprachen; Keilschriften, Hieroglyphen, Minoische, Phönizische und Griechische Schrift, Linear B usw.) überstieg aber denn doch die Möglichkeiten eines einzelnen Wissenschaftlers. Im 19. Jahrhundert gab es zwar einzelne Gelehrte, die die Fülle des Fachs in seiner Gesamtheit noch überblickten und auch wenigstens in Grundzügen und ansatzweise die erforderlichen Kenntnisse in den Einzeldiszipinen hatten. Bei zunehmender Spezialisierung der Orientalistik ist die Entwicklung in der Alten Geschichte aber heute wieder rückläufig. Das Fach konzentriert sich mehr und mehr wieder ausschießlich auf die Griechische und Römische Geschichte und bildet zusammen mit der Klassischen Philologie und Klassischen Archäologie das übergreifende Sachgebiet Klassische Altertumswissenschaft. Damit kehrt es zu seinen Ursprüngen zurück, die am Ende des 18. Jahrhunderts zu suchen sind.
Ausgehend von der französischen Querelle des Anciens et des Modernes (Streit der Anhänger der Alten und der Anhänger der Moderne) hatte sich das Fach Alte Geschichte auf einem Gebiet etabliert, das die Anhänger des aufgeklärten Zeitalters der Moderne (daher das heutige Schlagwort Postmoderne) bei aller Begeisterung für die aufstrebende Naturwissenschaft, Technik und Ökonomie ihrer Zeit den Bewundern der Alten (d.h. der alten Griechen und Römer) mehr oder weniger widerstrebend überlassen hatten. Auf dem Gebiet der schönen Künste und Wissenschaften wurde der beispielgebende und Maßstäbe setzende Charakter des Klassischen Altertums weiterhin anerkannt. Ein Hauptzug und wesentlicher Inhalt der Deutschen Klassik bestand gerade darin, durch Erforschung und wissende Aneignung des Klassischen Altertums - in Deutschland vornehmlich des griechischen - die eigene Kultur überhaupt erst auf das ihr erreichbare Niveau zu heben. So schrieb Wilhelm von Humboldt (1807):
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